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politik
Flüchtlinge: Trier schließt sich Initiative nicht an

Trier. Die Stadt macht kein Angebot für die Aufnahme von Mittelmeerflüchtlingen.

Normalerweise verbindet die drei Rheinstädte Köln, Düsseldorf und Bonn kaum etwas, außer einer gerne zur Schau getragenen herzlichen Abneigung zueinander. Um so erstaunlicher ist es, dass sich die drei Oberbürgermeister nun zusammengetan haben und in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) anbieten, dass ihre Städte in Not geratene Flüchtlinge aufnehmen könnten und wollten. Damit engagieren sie sich für eine weitere Flüchtlingsaufnahme und gegen einen Stopp der Seenotrettung im Mittelmeer. „Wir wollen ein Signal für Humanität, für das Recht auf Asyl und für die Integration Geflüchteter setzen“, heißt es in dem Schreiben der drei Stadtoberhäupter Henriette Reker (parteilos), Thomas Geisel (SPD) und Ashok Sridharan (CDU). In Trier gibt es solche Überlegungen nicht. Die Stadt will nicht anbieten, aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge aufzunehmen. „Wir werden unserer Verantwortung dadurch gerecht, dass sich in Trier eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende befindet“, sagte der Sprecher der Stadtverwaltung, Ernst Mettlach. In der Stadt demonstrierten gestern Abend Menschen für eine humane Flüchtlingspolitik. Sie forderten Solidarität mit Seenotrettern, die versuchen, Flüchtlinge aus dem Mittelmeer in sichere Häfen zu bringen. Dazu aufgerufen hatte das von verschiedenen Gruppen getragene Bündnis Seebrücke. Die Initiative entstand, nachdem das Flüchtlingshilfsschiff Lifeline mit 234 Menschen an Bord zunächst am Einlaufen in einen Hafen gehindert worden war. Seit Juni liegt das Schiff  im Hafen von Malta fest. Auch weitere Rettungsschiffe dürfen nicht mehr auslaufen.

Flüchtlingsinitiativen kritisieren auch das gestern gegründete neue bayerische Asylamt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, das Amt verbessere die Bleibemöglichkeiten von integrationswilligen Flüchtlingen. Hauptziel der Einrichtung in Manching in der Nähe von Ingolstadt seien jedoch schnellere Abschiebungen von nicht anerkannten Asylbewerbern.