Halbjahr 2018: Trierer Polizei erwischt mehr als 60 000 Raser

Verkehr : Mehr Blitzer gegen Flitzer – Knöllchenrekord in der Region Trier

Trierer Polizei erwischt im ersten Halbjahr mehr als 60 000 Raser. Die Zahl der Unfälle geht landesweit zurück.

Die Trierer Polizei hat im ersten Halbjahr 2018 rekordverdächtig viele Temposünder in der Region erwischt: 60 648 Raser gingen den Beamten ins Netz, weil sie zu schnell fuhren. Vor einem Jahr waren es noch 26 691 Geschwindigkeitsverstöße, die die Polizei im gleichen Zeitraum gemessen hat, teilt das rheinland-pfälzische Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Warum die Beamten immer mehr Raser erwischen, liegt auf der Hand: Seit dem vergangenen Jahr hat jedes Polizeipräsidium zwei teil-mobile Anlagen, die Temposünder rund um die Uhr blitzen können, ohne bewacht werden zu müssen. In Trier ist die erste Anlage seit April 2017 im Einsatz, die zweite kam im September dazu. Deutlich angestiegen sind daher in der Region im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 auch die Zahl der Bußgeldbescheide von 10 833 auf 26 131 und der Fahrverbote von 2071 auf 3320. Verstöße schnellen in ganz Rheinland-Pfalz hoch, in den ersten Monaten diesen Jahres stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 die Zahl der geblitzten Raser von 506 615 auf 643 431, der Bußgeldbescheide bislang von 105 503 auf 148 337 und der Fahrverbote von 12 564 auf  15 880, heißt es vom Ministerium.

Nicht ausgeschlossen ist, dass das Land sich mit dem Doppelhaushalt 2019/20 neue Blitzer anschafft. Ein Sprecher sagt zwar, bei der Aufstellung der Mittel seien keine neuen Anlagen beantragt. Möglich ist aber, dass sich die Ampelfraktionen von Unfallzahlen überzeugen lassen und selber in die Offensive gehen. Denn im Gegensatz zum ersten Halbjahr 2017 sank die Zahl der Verkehrsunfälle wegen zu schnellen Fahrens landesweit von 5980 auf 5256. Die Zahl tödlich verunglückter Verkehrsteilnehmer sei um ein Fünftel zurückgegangen.

In der Justiz stoßen die Anlagen wiederum auf Kritik, weil Einsprüche die Gerichte überlasten. Schon im ganzen vergangenen Jahr hatten sich die Einsprüche, die an die Staatsanwaltschaften gingen, auf gut 13 000 fast verdoppelt. Im ersten Halbjahr 2018 landeten auf ihren Schreibtischen bereits 11 000 neue Fälle. In Wittlich, Linz, Mainz und Kandel stellte das Justizministerium zusätzliche Richterstellen bereit. Ob das Land weiter aufstockt, hängt an Beratungen zum Haushalt, die noch nicht abgeschlossen sind, sagt ein Sprecher. Ingrid Luther, Direktorin des Amtsgerichts Wittlich, spricht von „einer deutlichen Mehrbelastung“ durch die Einsprüche.

Verkehrsexperten monieren, dass die Blitzer meist an viel befahrenen Strecken und nicht an Unfallschwerpunkten wie Kitas oder Schulen stehen. Das Trierer Polizeipräsidium erwischte die meisten Temposünder auf der Autobahn 1 beim Autobahndreieck Vulkaneifel sowie den Baustellen bei Wittlich und Mehring.

Kritiker werfen dem Land Abzocke vor. Rheinland-Pfalz rechnet in diesem Jahr mit Bußgeldeinnahmen von 70 Millionen Euro.

Autofahrer in der Region „protestierten“ bereits gegen die Blitzer, indem sie diese mit Farbe besprühten oder mit Brandschleuniger anzünden wollten. Fünf Attacken gab es nach Angaben der Polizei Trier, die insgesamt einen Schaden von 8880 Euro verursacht haben. Reibungslos kam eine Anlage beim wohl kuriosesten Angriff davon, als ein Unbekannter in der Eifel eine Tanne vor den Anhänger stellte und Fotos vereitelte.

In der Region blitzt nicht nur die Polizei. In Trier kontrolliert die Stadt seit zwei Jahren die Geschwindigkeit.

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