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Verkehrspolitik
Herr Minister, was ist eigentlich mit dem A1-Lückenschluss und dem Moselaufstieg?

Mainz/Trier. Volker Wissing sagt, er treibe beide Projekte mit „maximaler Beschleunigung“ voran. Dennoch droht bei den Bauvorhaben jahrelanges Warten.

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing bekennt sich zu den beiden größten Straßenbauprojekten, die die Region Trier seit Jahrzehnten in Befürworter und Gegner spalten. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt der FDP-Politiker zum Lückenschluss der Autobahn 1 in der Eifel und zum Moselaufstieg in Trier: „Wir treiben beide Projekte mit maximaler Beschleunigung voran. Ich werde bauen, sobald es rechtlich möglich ist.“

Doch es drohen noch viele Jahre ins Land zu streichen, bis beide Vorhaben wirklich starten können. Bei dem Lückenschluss der Autobahn 1 rechnet Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Trier, inzwischen mit einer Verzögerung von fünf Jahren, bis in Nordrhein-Westfalen das Planfeststellungsverfahren für das Teilstück zwischen Lommersdorf und Adenau steht. Das Nachbarland hat eine neue Trasse entworfen, um mögliche Lebensräume des Haselhuhns in einem Bogen zu umfahren, und lässt sich den Schlenker 60 Millionen Euro mehr kosten.

Für den rheinland-pfälzischen Bauabschnitt zwischen Kelberg und Adenau liegen die Pläne dagegen bereits bis zum 22. August in den Verbandsgemeinden Kelberg, Daun und Hillesheim offen. Danach können Betroffene Einwände vorbringen. Experten gehen im Gespräch mit dem TV davon aus, dass es frühestens 2022 zum Baurecht kommt und der Teilabschnitt in dem Falle bis 2027 abgeschlossen sein könnte. Ferner bahnen sich Klagen an: Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat bereits mit rechtlichen Schritten gedroht. Hypothetisch könnten sogar die neuen Pläne in Nordrhein-Westfalen den rheinland-pfälzischen Teilabschnitt hinauszögern, teilt das Verkehrsministerium auf TV-Anfrage mit. Das könnte dann passieren, wenn ein Betroffener klagt, weil er an der Umsetzung des Abschnitts zweifelt, solange Nordrhein-Westfalen noch nicht ins Planfeststellungsverfahren gegangen ist.

Ungewissheit gibt es auch beim Moselaufstieg, der eine direkte Verbindung zwischen dem Konzer Raum und der Autobahn 64 schaffen soll. Es müsse noch geklärt werden, ob der raumordnerische Bescheid von 1995 noch Bestand habe oder ob es ein neues Verfahren brauche, teilt das Ministerium mit. Sollte ein Verfahren neu aufgerollt werden, rechnen Experten mit erneuten Verzögerungen von mehreren Jahren.

Während der Moselaufstieg bei Bürgern in Igel und dem Trierer Stadtteil Zewen ungeliebt ist, weil sie Lärm und Naturschäden fürchten, verweist die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier auf den Nutzen, eine komfortable Verbindung für Berufspendler von und nach Luxemburg zu schaffen. Beim A-1-Lückenschluss rechnet die Kammer vor, dass pro Jahr 1,5 Millionen Stunden Fahrtzeiten eingespart würden und Gemeinden besser an benachbarte Ballungsräume angeschlossen wären.

Probleme sieht die IHK in der Frage, ob es genügend Kräfte gibt, die Straßen bauen und planen. Eine Sprecherin des Ministeriums sagt, bei Baufirmen seien die Auftragsbücher voll. 76 neu geschaffene Ingenieursstellen beim Landesbetrieb Mobilität seien dagegen nahezu alle besetzt. Die CDU-Fraktion fordert, mehr Aufträge an externe Büros zu vergeben und neue Millionenmittel in Straßenbau zu investieren.

Hintergrund: Wo sieht die Industrie- und Handelskammer Trier Baustellen in der Wirtschaftspolitik des Landes?