Bröhr gegen Baldauf – Der CDU-Wahlkampf ist schon eröffnet

Kostenpflichtiger Inhalt: CDU-Bezirksparteitag : Bröhr gegen Baldauf – Der Wahlkampf ist schon eröffnet

Auf dem Bezirksparteitag in Dreis treffen die potenziellen CDU-Spitzenkandidaten aufeinander und rühren schon mal kräftig die Werbetrommel.

Es ist genau 20.07 Uhr, als sich in der gut besetzten Dreyshalle immer mehr Augenpaare Richtung Eingang wenden. Eine gute Stunde nach Beginn des CDU-Bezirksparteitags steht dort mit Marlon Bröhr der Christdemokrat, der in den zurückliegenden zwei Tagen in Rheinland-Pfalz die politischen Schlagzeilen bestimmt hat. Am Dienstag hatte der Rhein-Hunsrücker Landrat offiziell verkündet, was nicht wenige schon seit Wochen vermutet hatten: Der vor Selbstbewusstsein strotzende 45-Jährige will bei der nächsten Landtagswahl 2021 Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen CDU werden.

Derjenige, den die Parteioberen für dieses Amt bereits nominiert haben, steht, während Bröhr den Saal betritt, auf der Bühne hinter dem Rednerpult und schaut jetzt auch Richtung Tür. Unionsfraktionschef Christian Baldauf, der vor Beginn des Parteitags etwas nervös wirkt, reagiert jetzt souverän und gelassen: „Ich sehe gerade, dass Marlon Bröhr kommt“, begrüßt er den Kontrahenten und fährt fort: „Guten Abend, bitte nehmen Sie Platz, ich bin bald fertig.“

Es dauert dann doch noch ein Weilchen, bis Baldauf die Bühne verlässt, seinem innerparteilichen Herausforderer im Vorbeigehen kurz die Hand schüttelt und sich vis-a-vis von Marlon Bröhr hinsetzt.

Gut 40 Minuten hat Christian Baldauf zuvor geredet, und wer ihm zuhört, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Landtagswahlkampf schon begonnen hat, obwohl bis zum Wahltag noch anderthalb Jahre vergehen dürften. Liegt es daran, dass Bröhr Baldauf beflügelt? Der Fraktionschef streift die Topthemen im Sauseschritt, spricht über schlechte Gesundheitsversorgung, miese Straßen und nicht vorhandenes schnelles Internet. Die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse werde das Thema der CDU im Wahlkampf sein, fasst Baldauf sein Plädoyer für den ländlichen Raum zusammen, und die Delegierten applaudieren. Auch Bröhr klatscht immer wieder artig mit, wenn die Rede Baldaufs durch Beifall unterbrochen wird.

Umgekehrt wird es später nicht so sein. Liegt es daran, dass Marlon Bröhr im Vergleich zu Baldauf nur kurz spricht, weil er an diesem Abend ein Grußwort hält, während der Fraktionschef quasi Festredner ist? Oder ist Christian Baldauf sauer, weil Bröhr von den „fünf Großkopferten unserer Partei“ spricht, die mit seiner Kandidatur nicht ganz zufrieden seien. Dabei merkt auch Marlon Bröhr rasch, dass er damit etwas überzogen haben könnte und lobt seinen Kontrahenten schon im nächsten Satz fast überschwänglich: „Christian ist ohne Zweifel ein Experte.“ Wenig später schränkt Bröhr allerdings ein, dass die rheinland-pfälzische CDU in den letzten Jahrzehnten schon häufiger mit einem Oppositionsführer in den Wahlkampf gezogen sei und verloren habe. „Das andere Modell hatten wir noch nicht“, sagt der Herausforderer und ergänzt gewohnt selbstbewusst: „Ich kann Malu Dreyer schlagen.“

Zunächst aber muss der 45-Jährige auf dem Landesparteitag in Neustadt Mitte November erst einmal eine Mehrheit der Delegieren davon überzeugen, ihn aufs Schild zu heben und nicht den von der Parteispitze favorisierten Christian Baldauf. Bröhr hätte am liebsten, dass alle Mitglieder darüber entscheiden dürfen. Die Kirchberger CDU hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Ob der Antrag Chancen hat, ist schwer zu sagen. Einiges dürfte wohl von der Dynamik auf dem Parteitag abhängen und wohl auch von der Tagesform der beiden Kontrahenten. Marlon Bröhr kündigt auf dem Bezirksparteitag in Dreis jedenfalls schon mal an, er werde nach Neustadt „gut vorbereitet kommen“.

Christian Baldauf denkt schon etwas weiter: „Ich freue mich schon auf unseren Wahlsieg im März 2021.“