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Keine Angst vor muslimischen und jüdischen Feiertagen!

 Ostern steht vor der Tür. Wie offen ist Deutschland für neue Feiertage?
Ostern steht vor der Tür. Wie offen ist Deutschland für neue Feiertage? FOTO: dpa / Jan Woitas
Ostern steht vor der Tür und damit auch zwei freie Tage, die den meisten ein langes Wochenende bescheren. Wie aber steht die Gesellschaft zu muslimischen oder jüdischen Feiertagen? Eine Analyse. Von Alev Dogan

Ostern, Weihnachten, Pfingsten – kalendarische Orientierungspunkte, die das Jahr von der Schulzeit bis ins Rentenalter gliedern. Feiertage scheinen wie gesetzt, als habe es sie schon immer gegeben. Die einen Bundesländer sind mit mehr gesegnet (Bayern hat 13), die anderem mit weniger (Berlin hat seit kurzem zehn, davor waren es nur neun).

Zwar fußen Feiertage meist auf Jahrhunderte alte Traditionen und Bräuche, doch einen Anspruch auf Ewigkeit haben sie nicht. Wie andere Lebensbereiche unterstehen auch Feiertage einem sich stets wandelnden Zeitgeist. Ein Beispiel ist der Internationale Frauentag am 8. März, der seit diesem Jahr ein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag in Berlin ist. Er zeigt, dass Feiertage eben nicht vom – meist christlichen – Himmel fallen, sondern maßgeblich durch gesellschaftliche Debatten beeinflusst werden.

So liegt die Frage nahe, ob die rot-rot-grüne Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus dem 8. März auch ohne die vorangegangene Me-too-Debatte den Vorzug gegeben hätte. Die Opposition hatte sich gegen den Frauentag und für den Reformationstag am 31. Oktober ausgesprochen. Dieser wiederum ist erst seit vergangenem Jahr nicht mehr nur in den ostdeutschen, sondern auch in den norddeutschen Bundesländern Feiertag.

Wann die Arbeit ruht und die Geschäfte geschlossen bleiben, ist also ebenso dem politischen Willen unterworfen wie andere gesetzgeberische Verfahren auch.

Insofern ist es offen, ob nicht auch andere – religiös, kulturell oder politisch begründete – Feiertage neu dazukommen oder andere ersetzen könnten. Eine jüngst veröffentlichte Studie der Robert Bosch Stiftung zeigt, wie die Bevölkerung dazu steht: Nur ein Drittel der Befragten sagt, dass gesetzliche Feiertage zu Festen anderer Religionen eingeführt werden sollten, 65 Prozent sprechen sich dagegen aus. Etwas anders ist allerdings die Lage in Nordrhein-Westfalen: Hier fällt die Ablehnung relativ gering aus. Verglichen mit 77 Prozent in Sachsen-Anhalt sprechen sich in Nordrhein-Westfalen deutlich weniger, nämlich 59 Prozent der Menschen gegen nicht-christliche religiöse Feiertage aus.

Die Studie bettet die Frage nach den Feiertagen in einen allgemein „nicht immer wertschätzenden und respektvollen“ Umgang insbesondere mit dem Islam und dem Judentum ein. Konkret: Anfeindungen gegenüber Juden nähmen wieder zu, Vorbehalte gegenüber dem Islam seien besonders groß. Dass Feiertage dieser Religionen eher abgelehnt werden, überrasche da kaum.

Letztlich stellt sich auch die Frage, welche Ansprüche die Gesellschaft an gesetzliche Feiertage setzt. Sollen sie die kulturelle Prägung der Mehrheitsgesellschaft repräsentieren? Wenn ja, müsste man die Häufigkeit christlicher Feiertage als völlig überzogen disqualifizieren: Von elf Feiertagen in Nordrhein-Westfalen sind lediglich drei weltlichen Ursprungs: Neujahr, der Tag der Arbeit und der Tag der Deutschen Einheit. Mit den mittel- und langfristigen Tendenzen der Säkularisierung passt das wenig zusammen.

Hinzu kommt, dass es immer mehr Atheisten gibt und auch andere religiöse Orientierungen an Bedeutung gewinnen. Im Jahr 2013 lag der Anteil der nicht-christlichen Gläubigen bei gut zehn Prozent. Freikirchen, jüdische und muslimische Gemeinden sowie Buddhisten, Hindus und Jesiden werden in der Gesellschaft immer sichtbarer.

Was spricht also dagegen, einen beweglichen Feiertag zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan zuzulassen? Oder auch in Deutschland mit dem jüdischen Feiertag Jom Haschoa der Opfer der Schoa und der Widerstandskämpfer zu gedenken? Oder den Tag des Grundgesetzes am 23. Mai als festen arbeitsfreien Feiertag einzurichten? Oder den Weltkindertag? Welche Gefahr sollte davon ausgehen?

Einige fremdeln vielleicht mit neuen Feiertagen, deren Hintergrund ihnen nichts bedeutet und die sie persönlich nicht feiern. Dann aber muss man sich auch fragen: Was bedeutet mir eigentlich der Hintergrund von Pfingstmontag? Kenne ich ihn überhaupt? Oder feiere ich die freien Tage, wie sie fallen?

Für die zitierte Studie der Robert Bosch Stiftung wurden im Jahr 2018 aus allen Bundesländern 3025 Menschen ab 16 Jahren telefonisch befragt – mehr als 400 aus NRW.