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Gesellschaftskunde
Gerade scheint es in vielen Diskussionen darum zu gehen, wer das Land definiert.

Viele Debatten werden derzeit mit erstaunlicher Erbitterung geführt. Dabei muss es gar nicht um das Reizthema Flüchtlinge gehen. Auch bei Fragen zu Bildung, Wohnraum oder Frauen scheint es um mehr zu gehen als die eigentliche Sache. Das war bei emotionalen Themen natürlich auch früher so, auch über die Rente oder den Umweltschutz wurde leidenschaftlich gestritten. Aber selbst wenn sich weltanschauliche Lager gegenüberstanden, ging es doch um die jeweiligen Positionen.

Viele Debatten werden derzeit mit erstaunlicher Erbitterung geführt. Dabei muss es gar nicht um das Reizthema Flüchtlinge gehen. Auch bei Fragen zu Bildung, Wohnraum oder Frauen scheint es um mehr zu gehen als die eigentliche Sache. Das war bei emotionalen Themen natürlich auch früher so, auch über die Rente oder den Umweltschutz wurde leidenschaftlich gestritten. Aber selbst wenn sich weltanschauliche Lager gegenüberstanden, ging es doch um die jeweiligen Positionen.

Heute scheint es in vielen Debatten eigentlich um die Frage zu gehen, wer in Deutschland grundsätzlich die Deutungshoheit erobert. Die jeweiligen Streitthemen sind nur Anlässe, um etappenweise einen Machtkampf auszutragen. In dem geht es um das Recht zu definieren, was für ein Land Deutschland ist und sein soll.

Dabei scheint es ein Lager der Weltgewandten zu geben, die sich für Toleranz aussprechen, kein Problem mit Minderheitenrechten haben und im Wandel der Gesellschaft eigene Chancen erblicken. Das andere Lager will nicht, dass sich Deutschland grundlegend verändert. Es beobachtet, wie Strukturen, die dem Gemeinweisen früher Halt gaben, an Bedeutung verlieren. Für sie ist Wandel Auflösung - und daher möglichst aufzuhalten.

Die Bitterkeit in der Debatte hat womöglich damit zu tun, dass die Kosmopoliten sich überlegen fühlen und oft mehr Ressourcen besitzen, sich ein Umfeld nach ihrem Weltbild zu schaffen. Man hat geerbt, kann sich Reisen und Wohnen im gehobenen Multikulti-Umfeld leisten. Dagegen halten sich die Bewahrer für die wahren Realisten und sind sofort dabei, wenn wieder irgendein Gesetz verschärft werden soll.

Die Zukunft eines Landes wird aber nicht von den Wortführern beschlossen, sie vollzieht sich im Handeln der Bürger.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)