| 00:00 Uhr

Segelschulschiff der Marine
„Gorch Fock“ politisch versenkt

 Als die See für die „Gorch Fock“ noch ruhig zu sein schien: Ein Archivbild aus dem Jahr 2014.
Als die See für die „Gorch Fock“ noch ruhig zu sein schien: Ein Archivbild aus dem Jahr 2014. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Der einst prächtige Dreimaster der Marine hat kaum noch Chancen. Bei der „Gorch Fock“ herrschte wegen schlampigen administrativen Umgangs mit dem Zustand des Schiffes sogar Lebensgefahr, klagt die FDP Von Gregor Mayntz

Mächtig unter Dampf stehen die Politiker, die an diesem Mittwoch über das Schicksal des Segelschulschiffes der Marine, der stillgelegten „Gorch Fock“, im Verteidigungsausschuss beraten wollen. Es sieht danach aus, dass der einst stolze Dreimaster im Ausschuss versenkt wird. Die Freunde des Kameradschaftserlebnisses beim Selbstsegeln bringen bereits den Neubau eines Schwesterschiffes ins Spiel, doch zuvor sieht sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit der Forderung nach personellen Konsequenzen konfrontiert.

Diese sollen Verantwortliche „innerhalb des Ministeriums und in den beteiligten Abteilungen“ treffen, verlangt FDP-Bundeswehr-Expertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Denn die Ministerin habe Vorlagen mit nachweislich falschen Angaben erhalten, als sie über die Reparatur des Schiffes zu entscheiden hatte. Dafür trage letztlich die Ministerin selbst die Verantwortung, deshalb müsse sie baldmöglichst auch personelle Konsequenzen aus dem administrativen „Versagen“ ziehen, das sich laut eines als Verschlusssache deklarierten Prüfberichtes über Jahrzehnte hingezogen habe.

Durch die „stümperhafte Aufarbeitung“ seien „Leib und Leben der Mannschaften an Bord gefährdet“ worden. Die völlig fehlende Übersicht über den tatsächlichen Zustand des Schiffes führte dazu, dass die geschätzten Instandsetzungskosten über zehn und 75 Millionen auf zuletzt 135 Millionen Euro anwuchsen. Neben den Verdacht auf Bestechung trat auch noch der Eindruck einer möglichen Überforderung der Werft. Es handelt sich schließlich um Schiffsmaterial und Technik aus den 30er und den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Deswegen ist derzeit auch unklar, mit welchem finanziellen Aufwand der Neubau oder der Ankauf eines vergleichbaren Modells zu Buche schlagen würde.

Diesen Plänen versucht die Linke den Wind aus den Segeln zu nehmen. Bevor man das Desaster um die „Gorch Fock“ nicht aufgeklärt habe, sei es „sehr schräg, über einen Neubau zu diskutieren, der eine dreistellige Millionensumme verschlingen würde und bei dem der tatsächliche Bedarf für die Marine unklar wäre“, meinte Linken-Bundeswehrexperte Matthias Höhn und unterstrich: „Steuergeld ist nicht für die Traditionspflege der Marine da.“