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| 08:22 Uhr

Düsseldorf / Bonn
Kardinäle streiten um Kommunion für Protestanten

Düsseldorf / Bonn. Sieben deutsche Bischöfe haben in einen Brief nach Rom den Beschluss der Bischofskonferenz in Frage gestellt. Auch Laien sind von diesem Alleingang einer Minderheit enttäuscht. Lothar Schröder

Eklat unter den deutschen Bischöfen: In einem dreiseitigen Brief an den Vatikan bitten sieben Bischöfe um Klärung in der strittigen Frage - ob nämlich evangelische Christen, die mit einem katholischen Partner verheiratet sind, die Kommunion empfangen dürfen. Zu den Unterzeichnern gehören nach Informationen des Kölner Stadt-Anzeigers unter anderem der Kölner Erzbischof Rainer Kardinal Woelki, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sowie die Bischöfe Rudolf Voderholzer aus Regensburg und Stefan Oster, Passau.

Meinungsverschiedenheiten in theologischen Fragen sind keine Seltenheit und noch lange kein Zerwürfnis. In diesem Fall aber ist das Vorgehen der sieben Bischöfe bedenkenswert. So hatte die Bischofskonferenz am 20. Februar in Fulda "eine pastorale Handreichung" für konfessionsverschiedene Paare beraten und mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit auch verabschiedet. Allerdings mit dem Vermerk, dass in dieses bis heute unveröffentlichte Dokument noch "Einarbeitungen" vorgenommen werden können.

Worum es nicht geht: um die Kommunion für alle Protestanten. Vielmehr entzündet sich der Streit an möglichen Notlagen in konfessionsverschiedenen Ehen - wenn nämlich die gemeinsame Kommunion derart wichtig und drängend ist, dass ein Ausschluss vom Abendmahl die Ehe gefährdet, kann auch der evangelische Ehepartner die Hostie empfangen - aber nur dann, wenn er den katholischen Eucharistieglauben bejaht. Bei diesen Ausnahmeregelungen berufen sich die deutschen Bischöfe auch auf das bestehende Kirchenrecht.

Dennoch kam es auf der Vollversammlung im Februar zu intensiven Debatte. Man habe sich "die Entscheidung nicht leicht gemacht", heißt es. Solche Redewendungen geben eine Ahnung davon, dass es bei den Beratungen hoch her gegangen sein könnte.

Der Brief ist nicht nur eine Reaktion darauf. Er dokumentiert eine tiefe Meinungskluft innerhalb der Konferenz. Denn das Schreiben richtet sich nicht nur gegen das Mehrheitsvotum des deutschen Episkopats. Es ging ohne Kenntnis des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, nach Rom, genauer: an den Präsidenten des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen. Der "Brandbrief" an Kurt Kardinal Koch ist vom 22. März, Marx erreicht das Schreiben erst sechs Tage später.

Nachdem der ominöse Briefverkehr gestern bekannt wurde, veröffentlichte Marx sein Antwortschreiben. Selbst sein diplomatischer Ton verrät, wie groß der Ärger des Münchner Erzbischofs über diesen Vorgang ist. Schließlich ist es ein Schreiben, das "trotz der ausführlichen und auch kontroversen Aussprache in der Vollversammlung und des mit weit überwiegender Mehrheit der Mitglieder der Bischofskonferenz gefassten Beschlusses" auf den Weg gebracht wurde.

Über die Zuständigkeit in dieser Frage lässt Marx keine Zweifel: "Selbstverständlich ist es einer nationalen Bischofskonferenz möglich, Kriterien zu formulieren, die die Kommunionspendung an nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche befindlichen Christen erlauben", heißt es in seiner Antwort. Außerdem greife man damit die "Ermutigung von Papst Franziskus zu weiteren Schritten in der Ökumene" auf. In diesem Sinne soll die Handreichung für Seelsorger und betroffene Eheleute künftig für eine größere Klarheit sorgen.

Die aber gebe es doch längst, erklärte gestern unserer Redaktion Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken: "Ich bin über den Brief der sieben Bischöfe verwundert, auch enttäuscht, zumal es sich bei dem Streit um eine Frage handelt, die pastoral längst geklärt ist: Die konfessionsverschiedenen Paare, die wirklich sehr ernsthaft die Eucharistie gemeinsam feiern wollen, haben darüber mit ihren Pfarrern vor Ort eine Einigung erzielt" - auf gute pastorale Weise.

In dem Entwurf der Handreichung sehen vor allem Laien einen wichtigen, wenn auch kleinen Fortschritt in der Ökumene. Dementsprechend Forscher reagierte gestern Christian Weisner, Sprecher der KirchenVolks-Bewegung "Wir sind Kirche", auf den Streit der Bischöfe. Er "appelliert an die große Mehrheit der deutschen Bischöfe und an das Kirchenvolk, sich durch die Blockadeversuche einiger Bischöfe nicht beirren zu lassen".

Stilvoller ist Kardinal Marx. Sein Antwortbrief endet mit "Oremus pro invicem" - beten wir für einander.