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Mit Verlaub!
Konservativ zu sein, ist gut. Nationalist zu sein, ist schlecht. Beides stößt sich ab.

Wer glaubt, konservativ und nationalistisch zu sein, passe zusammen, der hält auch den betagten Neonationalisten Alexander Gauland (AfD) für einen wahren Konservativen oder den vorlauten Donald-Trump-Höfling Richard Grenell für einen Diplomaten.

Das immerhin haben Linke, Linksliberale und Linksgrüne nicht geschafft: Niemand braucht sich dafür zu genieren, als politisch konservativ etikettiert zu werden. Im Gegenteil spricht manches dafür, dass die Maxime des Konservatismus, auf Klugheit und Augenmaß zu setzen und nicht das Paradies auf Erden zu versprechen, unvergleichlich menschenfreundlich war und ist.

Indes, der Nationalist aller Zeiten und so auch unserer Tage ähnelt, wenn er nicht der reine Tor oder verwitterte Zausel ist, dem nazistischen und sozialistischen Freak vom angeblich neuen Menschen, den es zu schaffen gilt. Während der Konservative weiß, dass niemand den Fluss zurück zu den Quellen leiten kann, versucht genau das der Nationalist. Der Konservative weiß auch, dass der Mensch aus krummem Holz geschnitzt ist. Der Nationalist will ihn geradebiegen. Er beugt ihm den Rücken, und am Ende bricht das Kreuz.

Wenn die neue Oppositionspartei AfD wirklich eine für Konservative wählbare Alternative zur hergebrachten Regierungspolitik sein möchte, darf sie keine Tickets für Fahrten in der nationalistischen Geisterbahn mit Gespenstern oder Schreckensclowns ausstellen.

Es gibt Gründe für konservative, sozial und liberal gesinnte Bürger, ein vorzeitiges Ende der großen Koalition von kleinem Format herbeizusehnen und sich auch für Deutschland eine parteiübergreifende Bewegung wie Emmanuel Macrons "En Marche" zu wünschen. Aber so tief zu sinken und von der Brühe zu trinken, durch die uns die Neonationalisten ziehen möchten, das werden wir Deutsche doch wohl nicht wollen.

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(RP)