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Regierungsbildung
Eine Frage der Glaubwürdigkeit: Wird Malu Dreyer SPD-Vorsitzende?

Malu Dreyer.
Malu Dreyer. FOTO: Kay Nietfeld / dpa
Trier. Malu Dreyer wird als neue SPD-Chefin gehandelt. Aber sie will gar nicht. Von Rolf Seydewitz

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist derzeit eher selten in Trier. Ständig pendelt die SPD-Politikerin zwischen der Landeshauptstadt Mainz und Berlin. Als stellvertretende Parteivorsitzende, die Dreyer seit Anfang Dezember ist, war die 57-Jährige stark in die Koalitionsverhandlungen mit der Union eingebunden. Beim Endspurt in Berlin vor einer Woche hatte die Triererin „39 Stunden am Stück nicht geschlafen“, wie Malu Dreyer jetzt in einem Interview verriet: „Das ist schon mein persönlicher Rekord.“

Längst wird ihr Name immer wieder genannt, wenn es um die Neubesetzung des SPD-Vorsitzes geht. „Malu Dreyer ist eine identitätsstiftende Figur, die die SPD jetzt bräuchte“, sagte am Dienstag der ehemalige SPD-Sozialpolitiker und Staatssekretär Rudolf Dreßler. Die Rheinland-Pfälzerin genieße inzwischen in der gesamten Partei eine hohe Akzeptanz und könne mithelfen, die Identitätskrise zu überwinden.

Wie beliebt Malu Dreyer in der SPD ist, hat ihr Abstimmungsergebnis bei der Wahl zur Parteivize­chefin deutlich gemacht. Mit 97,5 Prozent Zustimmung erzielte Dreyer auf dem Bundesparteitag das mit Abstand beste Ergebnis der sechs Stellvertreter. Zum Vergleich: Der designierte Finanzminister und gestern Abend zum kommissarischen SPD-Chef bestimmte Olaf Scholz kam bei der gleichen Wahl gerade einmal auf 59,2 Prozent. Doch schon vor einem Monat hat die Mainzer Regierungschefin klar gemacht, dass sie als SPD-Vorsitzende nicht zur Verfügung stehe. „Weder heute, noch morgen, noch in zwei Jahren. Es ist für mich vollkommen klar: Ich möchte nicht Vorsitzende der SPD werden, ich werde nicht nach Berlin gehen, ich bleibe hier in Rheinland-Pfalz, und daran wird sich auch nichts ändern“, so Dreyer Mitte Januar.Würde Malu Dreyer es sich nun doch anders überlegen, litte darunter ihre Glaubwürdigkeit – Dreyers höchstes Gut, wie ihr bei Umfragen immer wieder bescheinigt wird.

Doch auch anders ist die Situation für Malu Dreyer nicht einfach. Wenn die Mayenerin Andrea Nahles auf dem nächsten Parteitag tatsächlich zur neuen SPD-Vorsitzenden gewählt wird, dürfte Malu Dreyer ihren Stellvertreterposten in zwei Jahren wieder los sein. Zwei Rheinland-Pfälzerinnen an der Parteispitze dürften schon aus Proporzgründen keine Zukunft haben.