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Kommende SPD-Chefin
Nahles kommt mit blauem Auge davon

Andrea Nahles, Noch-SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, spricht in der SPD-Zentrale im Willy-Brandt-Haus nach den Personalentscheidungen.
Andrea Nahles, Noch-SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, spricht in der SPD-Zentrale im Willy-Brandt-Haus nach den Personalentscheidungen. FOTO: dpa, nie pil
Aus den Chaos-Tagen der SPD geht die künftige Parteichefin Andrea Nahles mit einem blauen Auge hervor. Die gewachsene Sensibilität der Basis in Personalfragen hatte sie sträflich unterschätzt. Immerhin: Nahles ist der Typ, der aus Fehlern lernt. Eva Quadbeck

Bei der verlockenden Aussicht die erste Parteichefin in der mehr als 150-jährigen Geschichte der SPD zu werden, hatten Nahles ihre sonst guten Instinkte verlassen.

Die einst so mächtige Volkspartei SPD befand sich in den vergangen Tagen im freien Fall: Die Zustimmungswerte sanken von Umfrage zu Umfrage. Die Führungsgremien drohten zu implodieren. Ob der Trend mit der Neuaufstellung gestoppt werden kann, ist ungewiss. Die Wut über die Führung in Berlin wird nicht so einfach verrauchen.

Doch sollten die SPD-Mitglieder die Entscheidung über den Koalitionsvertrag für einen Denkzettel an Berlin nutzen, wäre das ein Schnitt ins eigene Fleisch. Die Überlebenschancen der SPD jedenfalls sind größer, wenn sich ihre Mitglieder in den nächsten Wochen mehrheitlich für den Koalitionsvertrag aussprechen. Mit konstruktiver Regierungsarbeit und sichtbarer Verantwortungsübernahme haben die Sozialdemokraten die Chance, ins Spiel zurückzukehren. Für einen weiteren Bundestagswahlkampf jedenfalls sind sie nicht gewappnet.

Martin Schulz bleibt als tragische Gestalt zurück. Vom Mister 100 Prozent stieg er in nur zehn Monaten zum Hinterbänkler ab. Es war aber nicht nur der brutale Berliner Politik-Betrieb, der ihn hat scheitern lassen. Er selbst hat Fehler an Fehler gereiht. Ihm fehlte auch das Gespür für die Partei, die er führte. Er war mit der Verheißung angetreten, dass er authentisch Politik für die Bedürfnisse der Menschen machen wolle. Am Ende ging es nur noch um sein Bedürfnis, Außenminister zu werden. Das hat ihm die Partei zu Recht übel genommen.