Riesige Datenmengen aus dem Cyberbunker Traben-Trarbach warten auf Auswertung

Kostenpflichtiger Inhalt: Cyberkriminalität : Riesige Datenmengen aus dem Cyberbunker Traben-Trarbach warten auf Auswertung

Behörden sollen bundesweit auswerten, welche Verbrechen in den Serven des Traben-Trarbacher Bunkers stecken. Der hauptverdächtige Niederländer soll auch Steuern hinterzogen haben.

Um die gigantischen Daten auszuwerten, die Server im einstigen Bundeswehrbunker in Traben-Trarbach ausspucken, ruft das Landeskriminalamt Alarm. LKA-Vizechef Achim Füssel sagte nach dem spektakulären Schlag gegen Cyberkriminalität, man habe die Ämter aller Länder, des Bundes und Experten aus Luxemburg angeschrieben, um bei der Auswertung zu helfen. 100 Jahre solle es schließlich nicht dauern, sich einen Überblick zu verschaffen, scherzte Füssel im Innenausschuss des Mainzer Landtags mit ernstem Hintergrund. Denn bei der Menge an Daten, die möglicherweise vor kriminellen Handlungen nur so gespickt sind, spreche man vom Petabyte-Bereich. Ungeheure Mengen. "Rund 1000 Terabyte entsprechen alleine einem Petabyte", so Füssel.

Über Server eines Rechenzentrums in Traben-Trarbach sollen Kriminelle jahrelang Drogen, Waffen und Kinderpornografie verkauft haben. Sieben Personen sitzen in Untersuchungshaft, gegen sie wird in Hunderttausenden Fällen wegen Beihilfe zu kriminellen Aktivitäten ermittelt. Dazu zählt auch der Niederländer Herman-Johan X., der das Gelände 2013 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft hat und dort das Dark­net-Rechenzentrum betrieb. 250 Server seien inzwischen abgebaut, sagte Achim Füssel. Das Sichern der Daten dauere voraussichtlich noch bis Ende November. Danach könne die Auswertung beginnen. Ein weiter Weg.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz habe inzwischen das Gelände und Vermögen von rund einer Million Euro beschlagnahmt. Wie der Südwestrundfunk unter Berufung auf Ermittlerakten berichtet, wird dem Tatverdächtigen X. auch Steuerhinterziehung in zwölf Fällen in Höhe von rund 330 000 Euro vorgeworfen. Weiter heißt es, der Betreiber von Cyberbunker habe auf Hinweise zu illegalen Inhalten der vom Rechenzentrum gehosteten Seiten nicht reagiert, diese nicht gesperrt und Anbietern sogar einen noch besseren Schutz für 500 Euro im Monat angeboten. Von den Servern in Traben-Trarbach gehe inzwischen keine Gefahr mehr aus, sagte Füssel. Die vom "Trierischen Volksfreund" geschilderte Drohung eines Bunker-Betreibers, er könne von ihm beschlagnahmte Daten einfach zurückholen und großen Schaden anrichten, seien ein "Bluff".

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) lobte die Arbeit der Behörden, die den Bunker Ende September gestürmt haben. Lewentz verteidigte beim Verkauf des Geländes die Rolle des Landeskriminalamts, das Zweifel an der Seriosität des niederländischen Hauptverdächtigen 2013 ernst genommen habe. Das LKA habe der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gegenüber nicht ausgeschlossen, dass der Bunker für Straftaten genutzt werden könne. "Die Bima hat sich in ihrer eigenen Bewertung anders entschieden", sagte Lewentz.

Der CDU-Innenexperte Alexander Licht kritisierte, warum das Gelände trotz "konkreter Hinweise auf einen kriminellen Hintergrund" verkauft wurde. Die nächste Sitzung im rheinland-pfälzischen Innenausschuss am 5. Dezember soll mehr Licht ins Dunkle bringen. Der Brauneberger (Kreis Bernkastel-Wittlich) forderte, die Polizei gegen Cyberkriminalität stärker aufzurüsten. "Es braucht Schutz, wenn Hacker mit ihren Machenschaften ganze Krankenhäuser und Systeme lahmlegen können."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Cyberbunker in Traben-Trarbach: Das Reich des Mister X.

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