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Gesellschaftskunde
Sollten bearbeitete Werbefotos gekennzeichnet werden - zum Wohl der Frau?

Nun begegnen einem auf den Werbeflächen in der Stadt wieder junge Frauen in zarten Kleidern und knappen Bikinis. Die großen Ferien stehen vor der Tür, und gnadenlos gut aussehende Models führen vor Augen, wie grandios der Sommer werden könnte - mit Strandfigur und richtigem Outfit.

Nach Kommunen in Frankreich und Norwegen wollen nun auch Städte in Dänemark digital manipulierte Fotos auf ihren Werbeflächen kennzeichnen. Das soll Maßstäbe zurechtrücken und vor allem jungen Frauen signalisieren, dass sie mit Bildern konkurrieren, die zu schön sind, um wahr zu sein. Und natürlich ist der Ansatz sympathisch, weil so viele Menschen - bei Weitem nicht nur junge Frauen - sich von geschönten Bildern unter Druck setzen lassen. Nach dem Blick aufs Werbeplakat fällt der Blick in den Spiegel manchem schwer.

Allerdings wird eine Kennzeichnung von Werbeplakaten davor nicht bewahren. Nicht nur, weil bei solchen Siegeln bald ein Gewöhnungseffekt einsetzt. Das Werbeplakat an sich ist ja schon ein Signal, die gezeigte Wirklichkeit nicht für wahr zu nehmen. Jeder weiß ja inzwischen, dass digitale Fotos kinderleicht zu retuschieren und Taillen mit ein paar Klicks auf Wespenmaß zu reduzieren sind. Viele Menschen praktizieren selbst solche Verschönerungstechniken für die Selbstdarstellung im Internet. Die Markierungen weisen also auf nichts Neues hin.

Es gilt vielmehr, so viel Selbstbewusstsein zu entwickeln, dass man sich innerlich gegen den ewigen Vergleich, gegen die ständige Konkurrenz immunisiert. Das fällt natürlich leichter, wenn man Menschen begegnet, die sich in durchschnittlichen Körpern wohlfühlen. Und positive Beispiele sind. Dazu ist zu begrüßen, wenn die Werbung sich von Magermodels abkehrt und normalgewichtige Menschen attraktiv inszeniert. Gern digital, ganz ohne Hinweis.

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(RP)