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Metropolregion Rheinland
Pöstchenschieben auf hoher Ebene

FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Ein Brief belegt das Chaos bei der Wahl der Geschäftsführerin der Metropolregion Von Peter Korn

„Gemeinsam an einem Strang ziehen“ – so beschreibt der kommunale Wirtschaftsförderungsverein Metropolregion Rheinland, dem unter anderem 13 Städte sowie diverse Landkreise angehören, gerne seine Ziele. Ein Brief, den Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) jetzt an Amtskollegen geschickt hat, zeigt jedoch, dass diese Gemeinsamkeit bisweilen teuer erkauft wird. Es geht um die umstrittene Doppel-Besetzung des Geschäftsführerpostens Ende Januar. Neben der Kölner  Grünen-Politikerin Kirsten Jahn war die Aachener CDU-Kreisvorsitzende Ulla Thönnissen als Co-Geschäftsführerin installiert worden.

Aus Geisels Brief geht jetzt hervor, dass die Entscheidung vor allem getroffen wurde, um die Befindlichkeiten aller in der Personalfrage zu befriedigen. Die Beschreibung der Wochen vor der Abstimmung klingt wie eine Achterbahnfahrt. Zunächst, so heißt es da, habe die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker signalisiert, nicht als Vorstandschefin zur Verfügung zu stehen. Kurz vor der außerordentlichen Vorstandssitzung Ende Januar trat sie dann doch an – und sprach sich „sehr dezidiert für die Bewerberin Jahn“ als Geschäftsführerin aus.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich andere im Vorstand schon auf Thönnissen festgelegt. Eine Probeabstimmung endete mit einem Patt. Geisel: Es sei „sehr schnell erkennbar“ gewesen, „dass die erforderliche Zweidrittelmehrheit nur dann erreichbar sein würde, wenn beide Kandidatinnen zu Geschäftsführerinnen bestellt würden“. Die Rheinische Lösung. Markus Berkenkopf ist Fachmann für kommunale Haushalte beim Bund der Steuerzahler NRW. Er kritisiert, „dass bei dieser Stellenbesetzung personelle Befindlichkeiten im Vordergrund gestanden haben“. Keine Ausschreibung, doppelte Besetzung, um keinen vor den Kopf zu stoßen – das rieche nach Pöstchenschieberei. Zahlen müsse der Bürger: „Wir können von einer sechsstelligen Summe ausgehen, die pro Jahr zusätzlich aufgebracht werden muss“, sagt Berkenkopf: „Das ist schlicht Verschwendung.“