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Verbraucherzentrale kritisiert zu wenig artgerechte Tierhaltung

Verbraucherschutz : „Verbraucher tragen nicht die Schuld an Billigfleisch“

Zentrale in Rheinland-Pfalz kritisiert: Es gibt zu wenig Angebote, die artgerechter Haltung entsprechen.

Die Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz warnt davor, die Verantwortung für billige Fleischpreise auf den Verbraucher abzuwälzen. Die Verbraucherschützer haben das Label unter die Lupe genommen, mit dem Handelsketten seit dem vergangenen Jahr die Haltungsform von Tieren angeben – von der Stallhaltung bis zum Premiumfleisch. Das Ergebnis, so sagte Referentin Waltraud Fesser, Leiterin des Fachbereichs Lebensmittel und Ernährung: „Fleisch, das nachhaltig und mit Tierwohl produziert ist, liegt bei einem Angebot von unter zehn Prozent. Und die Angaben sind noch eingeschränkt auf wenige Produkte.“ Das Fazit der Verbraucherzentrale im Land: „Die Verbraucher haben kaum eine Wahl. Die Schuld an den billigen Preisen kann man nicht unbedingt ihnen zuschieben.“ Genau 9,9 Prozent des angebotenen Fleisches kamen danach nicht aus der engen Stallhaltung von Tieren, zeigte ein Marktcheck.

Fesser kritisierte vielmehr skandalöse Zustände in Schlachthöfen und Preiskämpfe der Handelsriesen. Für Landwirte bestehe ein größerer Anreiz, Masse statt Klasse zu produzieren, weil sie am Fleisch kaum Geld verdienten. Es brauche ein Umdenken: Fleisch dürfe an Theken nicht mehr verramscht werden, fordert die Verbraucherzentrale. Die Politik forderte sie auf, ein staatliches Tierwohlkennzeichen zu schaffen, das über den momentanen Standards liegt und Regeln für alle Tiere trifft. Dieses sollte auf EU-Ebene kommen und verpflichtend gelten.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte angekündigt, Tierschutz in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft voranbringen zu wollen. Auf der Agenda stehe ein einheitliches europäisches Kennzeichen für Fleisch, das Verbrauchern Entscheidungen für mehr Tierwohl ermögliche, sagte die CDU-Politikerin in dieser Woche. Eine Tierwohlabgabe, wie sie Klöckner vorgeschlagen hat, lehnt die Verbraucherzentrale ab. Diese schaffe nicht automatisch mehr Tierwohl.

Fragen zu Fleisch aus artgerechter Haltung beschäftigten auch die Verbraucherschützer in Mainz im abgelaufenen Jahr.

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Doch bei 62 000 Beratungsgesprächen gab es noch mehr Redebedarf. Beschäftigt haben sie sich unter anderem auch mit geplatzten Urlaubsträumen wegen der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook.