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Gesundheitliche Gründe
Wagenknecht gibt im Herbst Linken-Fraktionsvorsitz auf

 Rückzug aus der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ und vom Fraktionsvorsitz der Linken: Sahra Wagenknecht ordnet ihr politisches Leben neu. Foto: Christoph Soeder
Rückzug aus der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ und vom Fraktionsvorsitz der Linken: Sahra Wagenknecht ordnet ihr politisches Leben neu. Foto: Christoph Soeder
Berlin. Nach vier Jahren als Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag tritt Sahra Wagenknecht im Herbst nicht mehr für dieses Amt an. Eine längere Krankheit, ausgelöst vor allem von Stress und Überlastung, habe ihr Grenzen aufgezeigt, teilte die 49-Jährige ihrer Fraktion mit. dpa

Diese Grenzen wolle sie in Zukunft nicht mehr überschreiten , schrieb Wagenknecht an die Abgeordneten in einer E-Mail, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Sie werde aber politisch aktiv bleiben und sich weiterhin für ihre Überzeugungen und sozialen Ziele engagieren.

Wagenknecht führt die Fraktion seit Oktober 2015. Sie ist eines der Aushängeschilder von Partei und Fraktion, zieht beispielsweise in Talkshows regelmäßig die Aufmerksamkeit eines Massenpublikums auf sich. Zwischenzeitlich stand sie allerdings bei den eigenen Leuten enorm in der Kritik, vor allem wegen ihres Engagements für die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ und wegen ihrer ablehnenden Haltung zu offenen Grenzen in der Flüchtlingspolitik. Im Januar zwangen sich Partei und Fraktion wegen der anstehenden Landtagswahlen einen Burgfrieden auf.

Bald danach musste Wagenknecht wegen einer nicht näher genannten Krankheit zwei Monate lang pausieren und fehlte deshalb auch beim Linken-Parteitag in Bonn. Inzwischen gehe es ihr wieder gut, schrieb sie der Fraktion. Trotzdem werde sie sich gesundheitsbedingt zurückziehen. Auf diese Ankündigung habe es in der Fraktion „sehr emotionale Reaktionen“ gegeben, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte.

Bis zum Herbst, wenn turnusmäßig die Neuwahl des Fraktionsvorstands ansteht, will Wagenknecht ihre Aufgaben weiter wahrnehmen - „um einen ordentlichen Übergang zu gewährleisten“, wie sie schrieb. Korte sagte: „Es gibt keinen Grund vorzeitig zu wählen.“ Noch gebe es auch keine Kandidaten. Er werde sich aber dafür einsetzen, dass die großen Strömungen der Linken weiter vertreten seien.

Wagenknecht ist Wortführerin des linken Flügels in der Partei. Ohne sie gebe es möglicherweise Chancen für neue Bündnisse, sagte SPD-Vize Ralf Stegner der Deutschen Presse-Agentur. Es könne leichter werden, Koalitionen ohne die Union zu bilden.

Für den Wahlkampf im Osten setzt die Linke zunächst aber weiter voll auf Wagenknecht. Gerade hier sei sie eine Identifikationsfigur, sagte Korte. Deshalb soll die 49-Jährige auch wie geplant vor den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen auftreten - „selbstverständlich mit dem Hinweis, soweit es ihre Gesundheit zulässt“, betonte Korte.

Erst am Wochenende hatte Wagenknecht mitgeteilt, sich aus der Führung der von ihr mitgegründeten linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ zurückziehen zu wollen. Dieses Engagement hatte in der Fraktion für viel Streit gesorgt und auch den Zwist zwischen Wagenknecht und Parteichefin Katja Kipping verschärft.