Zwei Männer stehen in Trier vor Gericht, weil sie aus Kliniken Endoskope gestohlen haben sollen.

Kriminalität : Leichte Beute mit teuren Medizingeräten

Zwei Männer stehen in Trier vor Gericht, weil sie aus Kliniken Endoskope gestohlen haben sollen. Der Schaden: Über drei Millionen Euro.

Sie sind gerade mal 15 oder 20 Zentimeter lang, aber sie sind teuer. 30 000 Euro und mehr kosten hochwertige, moderne Endoskopiegeräte, wie sie in Kliniken für sogenannte Spiegelungen etwa im Magen oder im Darm. eingesetzt werden. Und sie waren offenbar leichte Beute, wie sich beim seit gestern laufenden Prozess gegen zwei Kolumbianer herausgestellt hat. Die beiden 30 und 42 Jahre alten Männer sollen 2016 und 2017 massenweise solche Geräte aus Kliniken in Hessen, Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Rheinland-Pfalz gestohlen haben. Unter anderem auch aus den Krankenhäusern in Bitburg und Hermeskeil. 13 solcher Diebstähle sind angeklagt, an sechs davon soll der Jüngere beteiligt gewesen sein. Der 42-Jährige soll alle angeklagten Taten begangen haben. Der Gesamtschaden liegt wohl bei über drei Millionen Euro.

Doch Staatsanwalt Benjamin Gehlen geht davon aus, dass noch weitere auf das Konto der beiden gehen. 40 Diebstähle von Endoskopen habe es in den besagten Jahren in Deutschland gegeben. Seit die beiden seit vergangenen November in Untersuchungshaft sitzen, seien keine weiteren mehr hinzugekommen. „Es ist eine ungewöhnliche Diebstahlserie“, sagt Gehlen. Die Tatorte hätten die Täter im Internet über die Suchmaschine Google ausgesucht, sagt Gehlen. Dort hätten sie gezielt nach Kliniken gesucht, die endoskopische Untersuchungen anbieten. Danach seien sie dann mit einem Mietwagen zum Teil von Paris aus, wo sie in einer Ferienwohnung gewohnt haben, zu den Krankenhäusern gefahren – zumeist am Wochenende, wenn die entsprechenden Abteilungen nicht besetzt und viele Besucher in den Häusern unterwegs gewesen sind. Sie sollen oft ganz normal über den Haupteingang in die Kliniken gelangt sein, manchmal auch über Lieferanteneingänge oder Notausgänge. Danach seien sie dann zielstrebig zu der entsprechenden Abteilung gegangen sein und die zumeist nicht gesondert verschlossenen Geräte in einer Tasche oder im Rucksack unauffällig aus dem Krankenhaus transportiert haben. Danach seien die Angeklagten nach Amsterdam gefahren und hätte von dort die Endoskope per Paket nach Kolumbien oder andere südamerikanische Länder verschickt, sagt Gehlen. Was genau mit den Geräten dort gemacht worden ist und in wessen Auftrag diese gestohlen worden sind, das stehe noch nicht fest, sagt Gehlen. Er glaubt aber nicht, dass die kolumbianische Drogenmafia hinter den Auftragsdiebstählen steckt.

Bislang haben sich die beiden Männer nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der 42-Jährige, der Schuhhändler gewesen sein soll, hat gestern über seine Verteidigerin Sandra Jung mitteilen lassen, dass er vorerst wohl auch weiter schweigen will. Sie könne noch nicht sagen, ob sich ihr Mandat einlassen werde, sagt Karin Adrian, Verteidigerin des Jüngeren. Dieser wirkt während Staatsanwalt Gehlen die Anklageschrift verliest und eine Dolmetscherin den beiden diese übersetzt nervös. Der 42-Jährige, der im roten Gefängnis-Jogging-Anzug in den Gerichtssaal geführt wird, lächelt hingegen immer wieder, schüttelt den Kopf.

Statement Prozess Endoskopiegräte-Diebstahl

Auf die Spur gekommen sind die Ermittler den beiden nach einem Ladendiebstahl in Trier. Bei der Verfolgung der beiden Täter, ist die Polizei auf die nun Angeklagten gestoßen. Sie sollen zusammen mit den mutmaßlichen Ladendieben in der Ferienwohnung in Paris gelebt haben. Daraufhin sind die Kolumbianer wohl rund um die Uhr beschattet worden. Fahnder haben herausgefunden, dass sie allein an einem Tag über zehn Krankenhäuser angefahren und ausgekundschaftet haben und danach dann wieder zurück nach Paris gefahren sind. Im November vergangenen Jahres sind sie dann auf frischer Tat in einem Ludwigshafener Krankenhaus erwischt worden, als sie versucht haben dort Endoskopiegeräte zu stehlen.

Laut Gehlen hat die Auswertung von Handy-Daten gezeigt, dass zumindest der als Haupttäter infrage kommende 42-Jährige an oder in der Nähe der Tatorte gewesen ist. Zudem habe einer der beiden eine Fahrt zu einer Klinik mit dem Handy gefilmt. Und außerdem gebe es mehrere Blitzer-Fotos, auf denen der 42-Jährige als Fahrer in verschiedenen Mietwagen zu erkennen sei, als dieser an Tattagen zu schnell unterwegs gewesen sei.

Bislang sind neun Prozesstage bis Juli vorgesehen. Der Prozess wird kommende Woche am 2. Mai fortgesetzt.

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Eine Video-Interview mit dem Staatsanwalt Benjamin Gehlen finden sie auf unserer Internetseite unter www.volksfreund.de/videos

Zitat

„Es ist eine ungewöhnliche Diebstahlserie.“

Benjamin Gehlen, Staatsanwalt

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