Jugendliche verbringen täglich 3,5 Stunden im Internet

Gesellschaft : Jugendliche verbringen täglich dreieinhalb Stunden im Internet

Suchtberater fordern Erwachsene auf, die Kontrolle darüber zu behalten, was ihre Kinder online tun. Im Alltag helfen feste Regeln – und manchmal Blicke aufs Smartphone.

Dienstag ist Safer Internet Day, ein von der EU ins Leben gerufener  Aktionstag für mehr Sicherheit im Internet. Und dieses ist allgegenwärtiger denn je – was vieles einfacher macht, aber auch Risiken birgt.

Die Studie „Jugend, Information, Medien 2018“ (Jim-Studie) zeigt, dass 97 Prozent aller Jugendlichen inzwischen ein Smartphone besitzen und dieses auch täglich nutzen. 71 Prozent haben zudem einen Computer oder ein Laptop. „Früher kamen Kinder in der sechsten oder siebten Klasse in Kontakt mit neuen Medien. Heute passiert das in der Grundschule“, sagt Christoph Linn von der Trierer Suchtberatung Die Tür, die regelmäßig Elternabende oder Workshops für Jugendliche organisiert, um schädlichem Internetgebrauch vorzubeugen. Gerade bei so jungen Kindern sei es extrem wichtig, sie zu begleiten, sagt der Sozialarbeiter. Lauern online doch zahlreiche Risiken: ungeeignete Webseiten voller Gewalt oder Pornografie, Spiele, die dazu einladen, über Mikrotransaktionen viel Geld auszugeben, Livestreaming, das Pädophilen Tür und Tor öffnet, peinliche Bilder, die über WhatsApp sekundenschnell verbreitet werden, Rechte anderer, die verletzt werden können. „Das muss man alles lernen“, sagt Linn.

Eltern sollten sich dringend Regeln überlegen, bevor sie ihrem Kind ein Gerät geben: Wann, wo, wie oft, wie lange darf es genutzt werden. Was darf installiert werden und wer darf das tun? Vom Schenken eines Smartphones rät der Fachmann bei jüngeren Kindern ohnehin dringend ab. Besser sei es zu sagen: „Du darfst es nutzen, aber es bleibt mein Gerät, und es ist wichtig, dass wir da zusammen reingucken.“

Scheu, die Intimsphäre ihrer Kinder beim gemeinsamen Blick auf die Onlineaktivität zu verletzen, brauchten Eltern nicht zu haben. Mal sei eine Frau zu ihm gekommen mit der Sorge, bei ihrem Zehnjährigen laufe was schief, aber sie könne ja nicht einfach in sein Smartphone gucken. „Das ist aber Ihr Erziehungsauftrag!“, entgegnete der Berater. Um diesem nachzukommen, müsse man die Kontrolle darüber behalten, womit der Nachwuchs online Zeit verbringt.

Schutzsoftware und Kindersicherungen können helfen. Zudem rät die Suchtberatung, medienfreie Zeiten zu vereinbaren. Die junge Generation wachse mit Smartphones auf und müsse lernen, „dass das Gerät kein Organ ist und dass es nicht wehtut, wenn es mal nicht da ist.“ Eltern dienen auch in diesem Punkt als Vorbild.

15-, 16- oder 17-Jährigen müsse man mehr Raum geben. Bei dieser Altersgruppe wird der Zeitverbrauch zum größten Risiko. Dreieinhalb Stunden verbringen 12- bis 19-Jährige an einem gewöhnlichen Wochentag laut Jim-Studie im Schnitt online. Nur zehn Prozent davon, um Informationen zu suchen. Die meiste Zeit kommunizieren sie, nutzen Unterhaltungsangebote oder spielen. Bei manchem besteht die Gefahr, sich in den virtuellen Welten zu verlieren. Eine Studie des Berliner Gesundheitsministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland rund 560 000 Menschen onlinesüchtig sind. Unsere Redakteurin hat mit einem jungen Mann gesprochen, der sich aus dieser Sucht herausgekämpft hat.

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