Keine Nachtflüge von Rettungshubschraubern Ärzte warnen: Patienten in Gefahr

Gesundheit : Rettungshubschrauber müssen nachts am Boden bleiben

ADAC und Ärzte warnen davor, dass Patienten in Notfällen nicht rechtzeitig versorgt werden können. Das Land sieht keinen Bedarf für Nachtflüge.

2122 Einsätze hat der in Wittlich stationierte Rettungshubschrauber Christoph 10 im vergangenen Jahr geflogen. Doch es könnten noch mehr sein. Denn in Rheinland-Pfalz dürfen die Rettungshubschrauber nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang fliegen. Nur der in Mainz stationierte Rettungshubschrauber darf auch bis 22 Uhr fliegen. Der Grund für die Einschränkung ist, dass Nachtflüge aufwendiger sind, die Vorbereitungen dafür dauern länger, es müssen zwei Piloten an Bord sein.  Ärzte warnen davor, dass es dadurch zu Problemen bei der Notfallversorgung kommen kann, etwa bei Schlaganfallpatienten. Nachts müssten diese zur Weiterbehandlung etwa bei notwendigen Operationen per Rettungswagen verlegt werden, sagt der Chef-Neurologe des Trierer Brüderkrankenhauses, Matthias Maschke.

Dadurch gehe viel Zeit verloren, gerade bei Schlaganfallpatienten zähle aber jede Minute. Auch der Chefarzt der Herzchirurgie der Klinik, Ivar Friedrich, warnt davor, dass es dadurch zu „erheblichen Verzögerungen“ bei der Verlegung von Patienten komme. Das könne im schlimmsten Fall deren Überlebenschance mindern.

Die ADAC-Luftrettung, die neben Wittlich auch Rettungshubschrauber in Ludwigshafen, Mainz und Koblenz stationiert hat, verweist darauf, dass es weder ein technisches noch ein personelles Problem sei, dass die Fluggeräte nicht nachts fliegen. „Unsere Helikopter haben die Technik und unsere Piloten das Know-how, um Menschen auch in den Abendstunden mit lebensrettender Hilfe aus der Luft zu versorgen“, sagt Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC-Luftrettung. Auftraggeber der Luftrettung in Rheinland-Pfalz sei aber das Innenministerium. „Wir sind Dienstleister und halten uns an das, was von uns verlangt wird“, sagt Jochen Oesterle, Sprecher der ADAC-Luftrettung. Zwar seien Flüge in der Dämmerung „eine Herausforderung für Mensch und Maschine“, trotzdem hält der Chef der ADAC-Luftrettung, Bruder, eine Ausweitung der Betriebszeiten und damit deutlich mehr Flüge in der Dunkelheit für unabdingbar. „In viel zu vielen Regionen in Deutschland entscheiden nach wie vor die Uhrzeit und der Wohnort über die schnelle lebensrettende Hilfe aus der Luft“, kritisiert Bruder. Wer vor oder nach Sonnenuntergang in Lebensgefahr ist, „dem kann aus der Luft nicht geholfen werden“, warnt Bruder. So dramatisch sieht man es bei der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Notärzte nicht. Der Aufwand für Nachtflüge von Rettungshubschraubern sei sehr hoch, sowohl technisch als auch personell, sagt Jochen Zimmermann, Regionalbeauftragter der Arbeitsgemeinschaft und Intensivmediziner im Trierer Brüderkrankenhaus. Dadurch sei der Zeitvorteil durch einen Rettungshubschrauber nachts kaum noch gegeben, Patienten könnten auch mit dem Rettungswagen genauso schnell in Kliniken gebracht werden. Aus seiner Sicht bestehe kein Bedarf für Nachtflüge von Rettungshubschraubern.

Bisher sei „kein eigenständiger Bedarf“ für Nachteinsätze von in Rheinland-Pfalz stationierten Rettungshubschraubern festgestellt worden, heißt es auch aus dem rheinland-pfälzischen Innenministerium. Und falls nachts ein Rettungshubschrauber gebraucht werde, könne man auf den im hessischen Gießen zurückgreifen, der rund um die Uhr zur Verfügung stehe. Das Land hat auch eine Vereinbarung mit der Luxemburger Luftrettung. Deren Rettungshubschrauber kommt in der Grenzregion zum Einsatz – ebenfalls aber nur bis Sonnenuntergang. Die CDU-Landtagsfraktion hat gestern auf die Online-Berichterstattung unserer Zeitung reagiert und fordert, dass das Land die Standorte der Rettungswache erhöht, um die Hilfeleistungsfrist zu verbessern. Falls das nicht möglich sei, könnten Nachtflüge eine Lösung sein.

Während in der Luftrettung die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Luxemburg funktioniert, hapert es noch immer bei den Einsätzen von Rettungswagen.

(Bernd Wientejs )
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