Krankenkassenchefin fordert, die medizinische Versorgung stärker am tatsächlichen Bedarf zu orientieren

Gesundheit : Land will Zahl der Klinikbetten in der Region reduzieren

Krankenhaus-Gutachten: In vielen Bereichen herrscht Überversorgung. Deshalb soll das Angebot dem Bedarf angepasst werden – etwa für alte Menschen oder psychisch Kranke.

Die Krankenhausversorgung in der Region sorgt derzeit für Diskussionen. Die geplante Schließung der Geburtshilfe in Daun hat am Mittwoch zum Protest von über 1000 Menschen geführt. Auch der seit Anfang des Jahres geltende teilweise Aufnahmestopp auf der Kinderkrebsstation (Kinderonkologie) des Mutterhauses führt weiter zu Protesten.

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Die Klinikleitung hat gestern erneut darauf hingewiesen, dass die Station nicht geschlossen sei und dort „alle schwerstkranken Kinder mit einer onkologischen Erkrankung“ weiterhin stationär betreut würden. Betroffen von dem Aufnahmestopp seien lediglich Kinder und Jugendliche, die auf eine Chemotherapie angewiesen seien. Diese werden derzeit in der Uniklinik Homburg behandelt. Laut Mutterhaus werde versucht, im kommenden Jahr auch die stationäre Chemotherapie von Kindern wieder in Trier anbieten zu können.

Von der Uniklinik in Homburg wird mitgeteilt, dass es Gespräche zwischen den Leitern der Kinderonkologie in Trier und in Homburg gebe, „um eine gute zukünftige Kooperation auf diesem Gebiet für beide Kliniken sicherzustellen“.

Doch nicht nur diese beiden Fälle zeigen, dass die Klinikversorgung in der Region in Bewegung ist. Vor allem in Trier wird derzeit kräftig investiert. Das Brüderkrankenhaus baut für 54 Millionen Euro ein neues Bettenhaus. Darin soll künftig auch eine Praxis Strahlentherapie für Krebspatienten einziehen, obwohl das auch vom wenige Kilometer entfernten Mutterhaus angeboten wird.

Das Land will künftig medizinische Überversorgung reduzieren. Laut Krankenhausplan sollen in der Region bis 2025 insgesamt 60 stationäre Betten in Kliniken abgebaut werden. Insgesamt gibt es an den hiesigen Krankenhäusern 3392 Betten. Ein vom Land in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass in fast allen medizinischen Bereichen in der Region Trier eine überdurchschnittliche Versorgung herrscht.

Das gilt auch für die Gynäkologie und Geburtshilfe. Laut des Gutachtens soll die Bettenzahl in diesem Bereich nahezu halbiert werden von 243 auf 128, weil sich der Bedarf verringere. Zwar sieht das Gutachten einen steigenden Bedarf bei der Altersmedizin (Geriatrie), allerdings bei sinkender Dauer, die die Patienten im Krankenhaus betreut werden. Daher wird dort eine Reduzierung der Betten in der Region von 154 auf 69 empfohlen.

Eine Zunahme an Patienten wird hingegen bei der Psychiatrie erwartet. Daher soll es in der Region  unter anderem in Hermeskeil und Saarburg zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten geben.

Die medizinische Versorgung im Land müsse sich stärker am tatsächlichen Bedarf orientieren, sagt die Chefin der Krankenkasse Barmer in Rheinland-Pfalz, Dunja Kleis. Sie hält es daher für erforderlich, dass die Zahl der Klinikbetten deutlich reduziert wird. Komplexe Behandlungen sollten künftig nur noch in dafür spezialisierten Kliniken ausgeführt werden.

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