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Trump entlässt Tillerson
Ein kühler Kopf geht, ein Hardliner kommt

Rex Tillerson (Archiv).
Rex Tillerson (Archiv). FOTO: ap, AH
Der Personalverschleiß unter dem Präsidenten Donald Trump, er schlägt schon jetzt alle Rekorde. Das Tempo, mit dem der Mann Schlüsselfiguren seines Kabinetts auswechselt, sucht seinesgleichen. Nach dem Wirtschaftsberater Gary Cohn, der vergebens vor protektionistische Schranken gewarnt hatte, setzt er seinem Außenminister den Stuhl vor die Tür. Mit Rex Tillerson muss ein Praktiker gehen, der - bei allen Fehlern, die er beging - für Augenmaß, pragmatische Wendigkeit und einen kühlen Kopf stand. Mike Pompeo, der bisherige CIA-Direktor, der ihn beerben soll, ist dagegen den Hardlinern zuzurechnen. Dass er auf Distanz zu seinem Chef geht, wie Tillerson es gelegentlich sogar in der Öffentlichkeit tat, ist von ihm nicht zu erwarten. Frank Herrmann

Nun muss auch Außenminister Tillerson gehen. Trump hat ihn gefeuert. Die Zahl derjenigen, die den US-Präsidenten im Notfall vor törichten Fehlern bewahren, sinkt also weiter. Keine beruhigende Aussicht.

Der Personalverschleiß unter dem Präsidenten Donald Trump, er schlägt schon jetzt alle Rekorde. Das Tempo, mit dem der Mann Schlüsselfiguren seines Kabinetts auswechselt, sucht seinesgleichen. Nach dem Wirtschaftsberater Gary Cohn, der vergebens vor protektionistische Schranken gewarnt hatte, setzt er seinem Außenminister den Stuhl vor die Tür.

Mit Rex Tillerson muss ein Praktiker gehen, der – bei allen Fehlern, die er beging – für Augenmaß, pragmatische Wendigkeit und einen kühlen Kopf stand. Mike Pompeo, der bisherige CIA-Direktor, der ihn im State Department beerben soll, ist dagegen dem Lager der Hardliner zuzurechnen. Dass er auf Distanz zu seinem Staatschef geht, wie Tillerson es gelegentlich sogar in der Öffentlichkeit tat, ist von ihm eher nicht zu erwarten.

Sie ist kleiner geworden, die Zahl der Erwachsenen, die den rebellischen Systemsprenger Trump im Zweifelsfall vor törichten Fehlern bewahren, die ihn zurückführen auf eingefahrene Gleise. Noch verbindet sich mit dem Trio James Mattis, John Kelly und Herbert Raymond McMaster die Hoffnung auf ein Korrektiv. Mit jenen Generälen, von denen ein prominenter Republikaner einst sagte, sie seien im Bunde mit Tillerson die Leute, die Amerika vor dem Chaos bewahrten. Nur kann niemand ausschließen, dass die drei, wenn sie denn ihre Posten behalten, demnächst nicht auch spürbar an Einfluss verlieren. Der Präsident, so hat es zumindest den Anschein, umgibt sich zusehends mit Vertrauten, die seine Weltsicht ohne Abstriche teilen.

Für Tillerson ist es das Ende einer Serie von Demütigungen, die er mit einer Geduld ertrug, die fast schon an Selbstverleugnung grenzte. Da war Trumps via Twitter vorgetragene Aufforderung, doch bitte beider Männer Intelligenzquotienten zu messen, ein Duell, dass er, der Staatschef, ganz sicher gewinnen würde. Da war der höhnische Satz, dass Rex nur seine Zeit vergeude, wenn er sich um eine Verhandlungslösung mit Nordkorea bemühe - um eine Lösung, auf die der Präsident nun selber einzuschwenken scheint.

Vielleicht wollte der Minister außenpolitischen Schaden begrenzen, indem er das alles ertrug. Zugleich aber verordnete er dem State Department einen derart rigiden Sparkurs, dass man zweifeln musste an dem Stellenwert, den der Chefdiplomat der Diplomatie einräumte. Letztlich hat er sich dadurch nur seiner Hausmacht beraubt. Der Texaner Tillerson, er dürfte als tragische Figur in die amerikanische Politikgeschichte eingehen.