| 16:14 Uhr

Diplomatische Krise
Russisches Flugzeug in London durchsucht

Der Flughafen London Heathrow (Archivfoto).
Der Flughafen London Heathrow (Archivfoto).
Exklusiv | London/Moskau. War die Durchsuchung eines russischen Flugzeugs in London eine "Provokation" oder reine Routine? Die Nerven zwischen Russland und Großbritannien liegen mitten in der diplomatischen Krise blank.

Zwischen London und Moskau gibt es neuen Ärger wegen der Durchsuchung einer russischen Aeroflot-Maschine am Londoner Flughafen Heathrow. Die russische Botschaft in London verurteilte die Durchsuchung als eine "weitere offensichtliche Provokation durch die britischen Behörden", wie die Nachrichtenagentur Tass berichtete. Grenz- und Zollbeamte hätten das Flugzeug vor dem Start nach Moskau untersucht. Das britische Innenministerium sprach hingegen am Samstag in einer Stellungnahme von einer reinen Routinekontrolle.

Mit sollen Kontrollen von Flugzeugen könne Großbritannien "vor der organisierten Kriminalität und vor jenen geschützt werden, die schädliche Substanzen wie Drogen sowie Waffen ins Land" bringen wollten, sagte der Staatssekretär für Sicherheit, Ben Wallace.

Scotland Yard wies im Kurznachrichtendienst Twitter darauf hin, an der Durchsuchung nicht beteiligt gewesen zu sein. Die Londoner Polizei koordiniert die umfangreichen Ermittlungen zum vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia.

Der Botschaft zufolge hätten die britischen Beamten versucht, das Flugzeug in Abwesenheit der Crew zu durchsuchen, was von den Regeln her "kategorisch verboten" sei, berichtete Tass. Erst nach langen Verhandlungen mit einem russischen Botschaftsangehörigen sei es dem Flugkapitän erlaubt worden, der Durchsuchung beizuwohnen.

International angespannte Lage

Die Stimmung zwischen Großbritannien und Russland ist wegen des Streits über den Anschlag auf Sergej und Julia Skripal angespannt. Der Streit führte zu einer internationalen diplomatischen Krise.

Die beiden Opfer waren am 4. März in der englischen Kleinstadt Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Der Tochter geht es inzwischen deutlich besser. Der Vater befindet sich den Ärzten zufolge in einem kritischen, aber stabilen Zustand.

Großbritannien macht Russland für das Attentat verantwortlich, weil angeblich der zu Sowjetzeiten entwickelte Kampfstoff Nowitschok eingesetzt wurde. Moskau weist diese Anschuldigungen vehement zurück.

Seit dem Aufflammen des Streits hatten Großbritannien und Russland bereits gegenseitig 23 Diplomaten ausgewiesen. Moskau untersagte auch die Arbeit des britischen Kulturinstituts British Council. Am Samstag gab das Außenministerium in Moskau bekannt, dass Großbritannien die Mitarbeiterzahl an seiner Botschaft in Moskau um etwa 50 reduzieren muss.

So solle ein Gleichstand mit der Mitarbeiterzahl der russischen Vertretungen in Großbritannien erreicht werden, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

(mro)