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Luftschläge
USA und Verbündete greifen Ziele in Syrien an

Damaskus. Gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich haben die USA Militärschläge gegen Syrien gestartet. Ein Forschungszentrum in Damaskus und ein Chemiewaffenlager in Homs wurden offenbar getroffen. Russlands Botschafter in Washington droht mit Konsequenzen.

Gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich haben die USA Militärschläge gegen Syrien gestartet. Ein Forschungszentrum in Damaskus und ein Chemiewaffenlager in Homs wurden offenbar getroffen. Russlands Botschafter in Washington droht mit Konsequenzen.

  • Angriffe auf drei Ziele in Syrien
  • Syrische Stellen melden drei Verletzte
  • Pentagon: Vorerst keine neuen Schläge geplant
  • Russland: Keine unserer Stützpunkte getroffen

Die Militärschläge sollen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zudem von einer erneuten Nutzung von Chemiewaffen abschrecken, erklärte US-Präsident Donald Trump am Freitagabend (Ortszeit) im Weißen Haus. Kurz darauf wurden laute Explosionen aus der syrischen Hauptstadt Damaskus gemeldet. Das syrische Fernsehen meldete, die Luftverteidigung des Landes habe auf die Angriffe der Westmächte reagiert.

Syrischen Stellen zufolge wurden bei den Angriffen drei Menschen verletzt. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass keine Ziele in der Nähe russischer Stützpunkte angegriffen worden seien. Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly erklärte zudem, dass Russland vor den Angriffen gewarnt worden sei.

Das syrische Fernsehen berichtete, die Luftangriffe der Westmächte hätten unter anderem einem Forschungszentrum im Damaszener Vorort Barseh gegolten. Zudem sei ein Armeelager nahe Homs getroffen worden.

Syriens Regierung dementiert Einsatz von Chemiewaffen

In der bis vor kurzem noch von Rebellen kontrollierten Vorortregion Ost-Ghuta sollen am vergangenen Wochenende bei einem Giftgasangriff der syrischen Regierungstruppen in Duma mindestens 40 Menschen getötet worden sein\. Die syrische Regierung hat die Nutzung jedweder geächteter Waffen dementiert.

In Washington machte Trump indes Assad für den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff verantwortlich. "Wegen der üblen und abscheuliche Attacke krümmten sich Mütter und Väter, Säuglinge und Kinder vor Schmerzen und rangen nach Luft. Dies sind nicht die Aktionen eines Mannes, dies sind vielmehr Verbrechen eines Monsters", erklärte er.

Die "Präzisionsschläge" der USA und ihrer Verbündeten gälten Zielen, die mit dem Chemiewaffenprogramm der Assad-Regierung in Verbindung stünden. Die USA seien zu einer "anhaltenden" Reaktion bereit, bis die syrische Führung die Nutzung solcher Waffen einstelle. Laut Pentagonchef Jim Mattis handelte es sich bei der Militäroperation vorerst um eine begrenzte Aktion. Weitere Schläge seien zwar nicht geplant. Zugleich schloss Mattis weitere Angriffe nicht aus.

Trump attackiert Russland und Iran

Trump kritisierte den Iran und Russland scharf. Beide Länder seien "am meisten für die Unterstützung, Ausrüstung und Finanzierung des kriminellen Assad-Regimes" verantwortlich. "An die Adresse von Iran und Russland frage ich: Was für eine Nation will mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern in Verbindung gebracht werden?"

Zudem wies Trump darauf hin, dass Kremlchef Wladimir Putin 2013 in einem internationalen Abkommen versichert habe, Assad zur Beseitigung all seiner Chemiewaffen bewegen wolle. Trump rief Moskau zu einem Kurswechsel auf. Russland solle sich westlichen Bemühungen um eine verantwortungsvollere Regierung in Damaskus anschließen, sagte der US-Präsident.

Das russische Außenministerium drohte indes mit Konsequenzen nach der Aktion der Westmächte. Deren Luftangriffe hätten ein seit langem geplagtes Land getroffen, "das seit Jahren eine terroristische Aggression zu überleben versucht", sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa.

"Chemiewaffeninfrastruktur" im Visier

Es ist das zweite Mal, dass Trump einen Luftangriff auf Syrien angeordnet hat. Im Frühling 2017 hatte er Marschflugkörper auf den syrischen Flugplatz Schairat als Vergeltung für den mutmaßlichen Einsatz von Saringas gegen Zivilisten durch die Assad-Regierung feuern lassen.

Im Pentagon sagte Verteidigungsminister Mattis, der jüngste Schlag habe die syrische Regierung "härter" getroffen als jener im April 2017. Diesmal seien die syrische "Chemiewaffeninfrastruktur" ins Visier genommen worden. Er gehe davon aus, dass die syrische Führung und deren Verbündete nun eine "erhebliche Desinformationskampagne" fahren würden. Daher würde das Pentagon am Samstag weitere Angaben machen.

"Rote Linie überschritten"

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sagte, für sein Land seit mit dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff von Duma "eine rote Linie überschritten" worden. Die britische Premierministerin Theresa May erklärte in London, der Westen habe "jedes mögliche" diplomatische Mittel ausprobiert, um Assad vom Einsatz von Chemiewaffen abzuhalten.
"Doch wurden unsere Bemühungen wiederholt" von Syrien und Russland "vereitelt." Daher sehe sie keine andere Alternative als den Einsatz von Gewalt. "Es geht nicht darum, in einen Bürgerkrieg einzugreifen.

Es geht nicht um Regimewechsel", betonte May. Auch Trump betonte in seiner Ansprache, er habe keine Interesse an einer langwierigen Auseinandersetzung mit Syrien.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterstützt den Angriff und erklärte: "Das wird die Fähigkeiten der Führung einschränken, weiter die Menschen in Syrien mit chemischen Waffen anzugreifen." UN-Generalsekretär António Guterres rief die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zur Zurückhaltung auf und warnte vor einer weiteren Eskalation.

(csi/ap/dpa/RTR)