| 11:19 Uhr

Nach Luftschlag in Syrien
Putin fordert Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats

Moskau. Nach dem Militärschlag der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf Ziele in Syrien will Russland den UN-Sicherheitsrat zu einer Krisensitzung einberufen lassen. Kanzlerin Merkel nennt den Angriff indes "erforderlich" und "angemessen".

Nach dem Militärschlag der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf Ziele in Syrien will Russland den UN-Sicherheitsrat zu einer Krisensitzung einberufen lassen. Kanzlerin Merkel nennt den Angriff indes "erforderlich" und "angemessen".

  • Angriffe auf drei Ziele in Syrien
  • Syrische Stellen melden drei Verletzte
  • Pentagon: Vorerst keine neuen Schläge geplant
  • Russland: Keine unserer Stützpunkte getroffen

Nach dem Willen russischen Präsidenten soll sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit den Luftschlägen beschäftigen. Das teilte Putin am Samstag in einer Erklärung des Kremls mit. Darin verurteilte er den Angriff der USA und ihrer Verbündeten als "Akt der Aggression", der die humanitäre Katastrophe in Syrien verschärfen werde.

Die USA, Großbritannien und Frankreich hatten in der Nacht zum Samstag Ziele in Syrien als Vergeltung für einen mutmaßlichen Chemiewaffenangriff attackiert, für den sie die syrische Regierung verantwortlich machen. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad streitet die Vorwürfe ab, Chemiewaffen gegen Zivilisten eingesetzt zu haben. Russland ist Assads wichtigster Verbündeter und wie die USA, Großbritannien und Frankreich ständiges Mitglied und Veto-Macht im Weltsicherheitsrat.

Der Militärschlag habe einen "destruktiven Einfluss auf das gesamte System der internationalen Beziehungen", erklärte Putin. Er beteuerte die russische Sichtweise, dass der mutmaßliche Chemiewaffenangriff in Duma bei Damaskus nur vorgetäuscht sei.

Russische Militärs wollen keine Spuren entdeckt haben

Experten des russischen Militärs hätten keine Spuren eines Chemiewaffenangriffs entdeckt, so Putin. Er kritisierte die USA und ihre Verbündeten dafür, den Militärschlag verübt zu haben, ohne abzuwarten, dass Inspektoren der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) Duma besichtigt hätten. Diese Besichtigung war für den Samstag erwartet worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete das Vorgehen der USA, Großbritanniens und Frankreichs als "erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen". In Duma seien zahlreiche Kinder, Frauen und Männer durch den Chemiewaffenangriff ums Leben gekommen, wobei alle vorliegenden Erkenntnisse darauf hinwiesen, dass die Assad-Regierung die Verantwortung dafür trage, hieß es am Samstagvormittag in einer Erklärung, die Regierungssprecher Steffen Seibert verbreitete.
Russland habe eine unabhängige Untersuchung zum wiederholten Male mit seiner Blockadehaltung im UN-Sicherheitsrat verhindert.

Über 100 Raketen abgefeuert

Das syrische Militär schätzte, dass bei dem Angriff der Westmächte 110 Geschosse abgefeuert wurden. Die syrische Luftverteidigung habe die meisten davon vom Himmel geholt, teilte ein Armeesprecher am Samstag im staatlichen Fernsehen mit. Ein Geschoss habe das wissenschaftliche Forschungszentrum in Barse bei Damaskus getroffen und dabei ein Gebäude beschädigt. In der Provinz Homs sei ein Angriff vereitelt worden, dabei seien aber drei Menschen verletzt worden, sagte der Sprecher. Die Angriffe würden das syrische Militär nicht davon abhalten, "bewaffnete Terroristen" in Syrien auszulöschen.

Das russische Militär erklärte, die syrischen Luftverteidigungssysteme hätten 71 von 103 Marschflugkörpern der USA und ihrer Verbündeten abgeschossen. Tote habe es nicht gegeben, die Schäden an den syrischen Militäreinrichtungen seien überschaubar, sagte Sergej Rudskoi vom russischen Generalstab. In der Nähe von russischen Militäreinrichtungen habe es keine Einschläge gegeben.

(csi/dpa)