Schon über 2000 Anzeigen: Online-Wache hat starken Zulauf

Kriminalität : Schon über 2000 Anzeigen: Online-Wache hat starken Zulauf

Das neue Internetangebot der rheinland-pfälzischen Polizei ist erst seit wenigen Wochen freigeschaltet. Allein aus der Region Trier gingen bereits 258 Meldungen ein.

Die seit Dezember geöffnete Online-Wache der rheinland-pfälzischen Polizei wird stark nachgefragt. Innerhalb von nur zwei Monaten gingen über das beim Landeskriminalamt (LKA) angedockte Internetportal bereits über 2000 Strafanzeigen und Hinweise ein. Davon seien allein 258 Meldungen auf den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Trier entfallen, sagte eine LKA-Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung.

Seit Ende vergangenen Jahres können Rheinland-Pfälzer und Saarländer bestimmte Strafanzeigen auch von zu Hause oder unterwegs per Internet erstatten und müssen nicht mehr persönlich bei der Polizei erscheinen. Nach Angaben der LKA-Sprecherin wurden bislang überwiegend Diebstähle, Betrügereien und Sachbeschädigungen über die Online-Wache angezeigt. Dabei werde das Angebot „vom Jugendlichen bis zum Senior genutzt“, so die erste Zwischenbilanz des Landeskriminalamts.

Derzeit werden über die rheinland-pfälzische Online-Wache täglich etwa 30 Vorfälle gemeldet. Die Verantwortlichen gehen aber davon aus, dass die Nutzerzahlen weiter steigen werden – weil auch das Angebot kontinuierlich erweitert werde, wie es heißt. So sollen etwa im Laufe des Jahres über die Internetseite der Wache von den Bürgern auch Fotos oder Unterlagen an die Polizei übermittelt werden können.

In den meisten anderen Bundesländern gibt es die virtuellen Wachen schon längere Zeit. Vorreiter war Brandenburg. Dort können Straftaten schon seit 15 Jahren über eine Internetseite der Polizei gemeldet werden. Im vorletzten Jahr wurden in Brandenburg über 35 000 Anzeigen online erstattet; fünf Jahre zuvor waren es noch 26 500.

Nach Schätzungen der Polizei geht etwa ein Fünftel der gemeldeten Anzeigen über das Service-Portal ein. Vor allem Auto- und Fahrraddiebstähle würden so gemeldet, heißt es.

Die rheinland-pfälzischen Gewerkschaften waren dem Projekt Online-Wache mit gemischten Gefühlen entgegengetreten. Die Digitalisierung dürfe nicht dazu führen, dass die Polizei sich in der Fläche zurückziehe, sagte die neue Landeschefin der Gewerkschaft der Polizei, Sabrina Kunz. Eine Entlastung der Polizei sei allein deshalb schon nicht zu erwarten, weil das Online-Portal rund um die Uhr besetzt und ausgewertet werden müsse, meinte Benno Langenberger von der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Und der Landesvorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter, Christian Soulier, sagte, dass eine im Internet aufgegebene Anzeige nicht den persönlichen Kontakt ersetze.

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