Polizei : Strafzettel zahlen wie im Supermarkt

Polizei : Strafzettel zahlen wie im Supermarkt

Polizisten kassieren Knöllchen im Land künftig via Karte. Autofahrer in Schweich wissen schon, was auf sie zukommt.

Autofahrer in Schweich staunten in den vergangenen Monaten nicht schlecht, als Polizisten ihnen ein Kartenlesegerät unter die Nasen hielten. Denn wo Verkehrssünder normalerweise die Scheine zücken mussten, wenn sie zu schnell gefahren waren oder den Gurt nicht angeschnallt hatten, war Barzahlung plötzlich tabu. Denn die Schweicher Polizei probte für die ganze Region, wie Autofahrer reagieren, wenn sie ihr Knöllchen nur noch mit EC- und Kreditkarte zahlen können. Ab dem 1. April gilt das nämlich für ganz Rheinland-Pfalz.

Marco Mertes, der das Pilotprojekt in Schweich begleitet hat, ist guter Dinge. „Die Akzeptanz ist sehr groß. Wir haben bislang keine Widerworte erlebt, niemand hat sich gegen die Kartenzahlung gewehrt“, sagt der Polizist aus der Region. Vier Geräte haben die Schweicher Streifenpolizisten im Einsatz. Zwar habe er anfangs manchen verwunderten Blick bemerkt, sagt Mertes. „Doch wenn die Leute erfahren, dass es sich um das gleiche Kartenlesegerät wie im Aldi oder Lidl handelt, sind sie schnell beruhigt.“ Sogar lobende Worte habe er gehört. „Einige sagten: Endlich wird die Polizei mal fortschrittlich“, erzählt der Schweicher und lacht.

Der Test offenbarte aber auch Probleme. An manchen Orten fehlte es an der nötigen Netzverbindung, um Daten übertragen zu können und den Strafzettel sofort zu begleichen, schildert Mertes. In der Schweicher Region erlebten die Beamten das häufiger zwischen Quint und Zemmer – meist dann, wenn es bergauf ging. „Wir haben in solchen Fällen versucht, den Standort zu wechseln oder einen Daten—erfassungsbogen ausgefüllt“, sagt Mertes. Dieses Blatt kommt künftig ohnehin ins Spiel, wenn verwarnte Autofahrer sich verweigern, das Knöllchen per Karte zu begleichen oder die Zahlung nicht klappt. Verkehrssünder bekommen dann eine Rechnung von der Zentralen Bußgeldstelle und können die Summe überweisen. Ein anderes Problem, das Mertes durch die Kartenzahlung vermutet: „Der psychologische Effekt, etwas falsch gemacht zu haben, geht vielleicht verloren. Bei einer Verwarnung von 35 Euro schmerzt es, mit einem 50-Euro-Schein zu bezahlen und nur 15 Euro zurückzukriegen. Ein Schein ist was Handfestes, das man abgibt. Wenn das Geld vom Konto verloren geht, fällt es möglicherweise nicht so stark ins Gewicht.“ Für die Polizei bedeute das neue Modell dagegen weniger Verwaltungsarbeit. Wo einkassierte Verwarnungen früher auf einem Block notiert wurden und das Geld über das Geschäftszimmer an die zuständigen Behörden geleitet wurde, fallen all diese Schritte künftig weg. Und wenn ein Polizist mal einen Block verlor, musste er dessen Wert von 550 Euro erstatten, sagt der Schweicher.

Laut Sabrina Kunz, Landeschefin der Gewerkschaft der Polizei (GdP), müsse den Beamten aber noch stärker unter die Arme gegriffen werden. Wie bei den aufwendigen Datenerhebungsblättern, wenn Autofahrer nicht per Karte zahlen wollen. Da fordert Kunz eine App, um Daten direkt digital an die Bußgeldstellen übermitteln zu können. „Das handschriftliche Arbeiten muss der Vergangenheit angehören“, sagt sie.

Die Gewerkschafterin kritisiert auch das Aus für Barzahlungen. „Wenn die 85-jährige Lieschen Müller sich nicht für die Kartenzahlung überzeugen lässt und sich für das Datenblatt entscheidet, dauert es viele Tage, bis sich die Stelle bei ihr meldet. Das kann bei manchen Betroffenen ein Unwohlsein hervorrufen, weil das Verfahren so lange über ihren Köpfen schwebt und nicht abgeschlossen ist“, vermutet Kunz.

Immerhin: So streng wie die französischen Polizisten seien die deutschen Beamten nicht, wenn Autofahrer ihr Knöllchen nicht umgehend abgelten. „Wer seinen Strafzettel da nicht bezahlen kann, muss sein Auto auch mal stehen lassen“, erzählt die GdP-Landeschefin. Wenn die Polizisten ab April mit den Terminals bargeldlos abkassieren, droht den Autofahrern diese drastische Folge hierzulande auf jeden Fall nicht.

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