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Kirche
Trierer Bischof Ackermann verteidigt XXL-Pfarreien

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Otzenhausen. Gläubige diskutieren über die Bistumsreform. Während der Bischof beruhigt und Transparenz verspricht, prophezeit ein Experte der katholischen Kirche „verheerende Mitmachverluste“. Von Rolf Seydewitz und Udo Lorenz

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat die Strukturreform des Bistums verteidigt. Von einem Rückzug der Kirche vom Land könne keine Rede sein, sagte Ackermann am Wochenende auf einem Forum des Bistums im saarländischen Otzenhausen. „Die Kirche bleibt im Dorf, wenn wir hingehen.“ Ackermann räumte aber zugleich ein, bei der Reformumsetzung noch nicht auf jede Frage eine Antwort zu haben. „Aber was wir wissen, darüber informieren wir“, versicherte der 55-Jährige.

Das Bistum Trier steht unmittelbar vor einer großen Strukturreform. Derzeit gibt es in dem 1,36 Millionen Katholiken umfassenden Bistum noch 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften organisiert sind. Ab dem Jahr 2020 soll es in Deutschlands ältestem Bistum nur noch 35 XXL-Pfarreien geben.

Kritiker wie die in der Eifel gegründete Interessengemeinschaft Kirchengemeinde vor Ort bemängeln, dass die kleinen Pfarreien ganz aufgelöst werden sollen. Ohne lokale Verwurzelung würden kirchliche Ehrenämter niedergelegt oder gar nicht erst übernommen, so die Befürchtung.

Rückendeckung bekam die nach eigenen Angaben inzwischen von 216 Kirchengemeinden unterstützte Initiative auf dem Forum vom Paderborner Professor Gerhard Henckel. Der Humangeograf befasst sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung des ländlichen Raums. Seine These: Das Bistum mache bei seiner Reform die gleichen Fehler, die auch bei der staatlichen Gebietsreform gemacht worden seien. Es gebe keine finanziellen Vorteile, aber „verheerende soziale und demokratische Mitmachverluste“, prognostiziert der Wissenschaftler. Mit der Auflösung der Dorfpfarreien schade die Kirche den Menschen und den Dörfern.

Wasser auf die Mühlen der Reformkritiker. Die Interessengemeinschaft Kirchengemeinde vor Ort hat für Mitte Oktober eine Protestveranstaltung vor dem Trierer Dom (der TV berichtete) mit bis zu 1000 Teilnehmern angemeldet.

Bereits Mitte September ist das zweite und letzte Forum mit Bischof Stephan Ackermann – dann in Bitburg.