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Trierer CDU-Vorsitzender Thorsten Wollscheid tritt bei Landtagswahl an.

Kostenpflichtiger Inhalt: Politischer Aschermittwoch : Wollscheid kandidiert und Baldauf kokettiert – Politischer Aschermittwoch der CDU in Trier

Trierer CDU-Vorsitzender Thorsten Wollscheid tritt bei Landtagswahl an. Spitzenkandidat Christian Baldauf hat offenbar Sympathien für den möglichen AKK-Nachfolger Friedrich Merz.

Die eigentliche Überraschung am Mittwochabend hält Thorsten Wollscheid parat. Der Trierer CDU-Chef erklärt auf dem Politischen Aschermittwoch der regionalen CDU fast schon in einem Nebensatz seine Bereitschaft, sich bei der Landtagswahl im kommenden Jahr um das Trierer Direktmandat zu bewerben. Bislang hatte sich der 33-Jährige noch um eine Festlegung gedrückt. Nun ist immerhin offiziell, was die meisten Christdemokraten schon vermutet haben dürften. Wollscheid tritt im März kommenden Jahres gegen die SPD-Politikerin Malu Dreyer an. Eine Herkulesaufgabe, an der zuletzt vor vier Jahren Wollscheids Vorvorgänger Udo Köhler scheiterte. Die Trierer Christdemokraten sind im rheinland-pfälzischen Landtag nicht mit einem eigenen Abgeordneten vertreten. Wie tief der Frust darüber sitzt, ist Wollscheid an diesem Abend anzumerken.

Auch Hauptredner Christian Baldauf greift das Thema auf. Er kritisiert die Mainzer Ministerpräsidentin scharf, weil sie vor vier Jahren ihr gerade erst erobertes Trierer Direktmandat zugunsten ihres B-Kandidaten Sven Teuber zurückgab. Nach der nächsten Landtagswahl wolle die SPD-Politikerin das wieder tun, sagt Baldauf und wirft Dreyer vor, mit diesem Vorgehen die Trierer Wähler zu betrügen. „Das ist im höchsten Maße unseriös“, echauffiert sich der CDU-Fraktionschef und Spitzenkandidat bei der Landtagswahl.

In seiner 45-minütigen Rede macht Baldauf einen Ritt durch die aktuellen Themen. Der Landesregierung wirft er vor allem bei den Themen Bildung und Digitales Versagen vor, der scheidenden CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer bescheinigt er, in der relativ kurzen Zeit viel für die Partei auf die Schiene gesetzt zu haben. „Respekt vor ihrer Entscheidung“, sagt Baldauf. Wen er selbst für die Nachfolge favorisiert, sagt der 52-jährige Pfälzer an diesem Abend nicht. Man kann es aber erahnen. Den Namen des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet nimmt Christian Baldauf nicht in den Mund, während er Friedrich Merz namentlich bescheinigt, in Trier vor einigen Wochen „eine bemerkenswerte Rede“ gehalten zu haben.

Die Prüfsteine, die er für den nächsten Vorsitzenden laut aufstellt, klingen auf manche Anwesende wie ein Auszug der Rede, die Merz vor anderthalb Wochen im Berliner Ballhaus gehalten hat. Da war davon die Rede, dass Deutschland eine politische Führung brauche, dass man das Feld nicht der AfD überlassen dürfe und dass man mit Enthusiasmus und Freude an guter Politik ans Werk gehen müsse. So ähnlich drückt es auch Christian Baldauf an diesem Abend in der Orangerie des Trierer Nells Park Hotels aus.

Am Schluss seiner Rede ruft Baldauf die Mitglieder dazu auf, weiter so geschlossen wie in den zurückliegenden Jahren Politik zu machen und sich für die rheinland-pfälzische CDU einzusetzen. Dann komme im März nächsten Jahres nach 30 Jahren in der Opposition auch der überfällige Mainzer Machtwechsel.

Ob es dann, gesetzt den Fall, Baldauf behält Recht, auch für den Trierer Parteichef Thorsten Wollscheid reichen wird, muss sich noch herausstellen. Würde er Malu Dreyer am Wahltag tatsächlich das Direktmandat abluchsen, wäre das jedenfalls auch eine faustdicke Überraschung.