Über eine Million Überstunden: Polizei in Rheinland-Pfalz fehlt Personal

Kostenpflichtiger Inhalt: Berg von 1,4 Millionen Überstunden angehäuft : Mehr als eine Million Überstunden: Polizei im Land völlig überlastet

Hunderte Stellen sind unbesetzt. In einigen Dienststellen in der Region gibt es nachts nur noch eine Streife. Vor allem auf dem Land kann es länger dauern, bis Einsatzkräfte vor Ort sind.

Mehrere Hundert Polizisten fehlen derzeit in Rheinland-Pfalz.  Laut Innenministerium waren zum Mai 562 Stellen bei der Polizei  nicht besetzt. Im Laufe des Jahres sollen insgesamt 111,5 neue Stellen geschaffen werden. „Zu wenig“, kritisiert die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Sie fordert insgesamt 10 000 Vollzeitstellen bei der Polizei. Derzeit gibt es  9308 Polizisten im Land, im Bereich des Polizeipräsidiums Trier sind es 1130 und damit fünf mehr als 2010. Laut Innenministerium sind rund drei Prozent der Planstellen für Polizisten unbesetzt.

Trotz der vom Land zugesagten Neueinstellungen sei noch keine  Entlastung bei den Beamten spürbar, kritisiert die Gewerkschaft. Es seien neue Aufgaben hinzugekommen ohne entsprechende Aufstockung des Personals. Laut einer Antwort des Innenministers Roger Lewentz (SPD) auf eine Landtagsanfrage der AfD sind im vergangenen Jahr 413 Beamte aus dem Dienst ausgeschieden, im gleichen Zeitraum seien 451 eingestellt worden.

Die Polizisten schieben einen Berg von Überstunden vor sich her. Derzeit beträgt die Zahl 1,4 Millionen Stunden. Das zeigt sich auch  in der Region Trier. Im Bereich des Polizeipräsidiums Trier waren es zu Beginn des Jahres 186 702 Stunden.  Die Beamten bei der Inspektion in Hermeskeil haben bis Januar 4378 Überstunden angehäuft (im Jahr davor waren es 5028). In Saarburg schieben die Beamten 3732 Stunden (im Vorjahr waren es 4904) vor sich her, wie aus Antworten auf Anfragen des Konzer CDU-Landtagsabgeordneten Bernhard Henter hervorgeht.

Viele Polizisten werden krank, sind längere Zeit dienstunfähig. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums Trier betrug die Zahl der Fehlstunden im Jahr 2017 insgesamt 23 334.

Mittlerweile sind viele Dienststellen von montags bis donnerstags in der Nacht gar nicht voll besetzt. Da diese Tage laut Innenministerium als „ereignisschwach“ gelten, reiche für einige Polizeiinspektionen eine Mindeststärke von drei bis vier Beamten im Nachtdienst. Das bedeutet, dass dort nachts nur eine Streifenwagenbesatzung zur Verfügung steht. In der Region sind davon unter anderem die Inspektionen in Morbach, Bernkastel-Kues, Zell und Baumholder sowie die Autobahnpolizei in Schweich betroffen.

Oftmals reicht eine Streife in vielen Situationen nicht aus, sagt Stefanie Loth, stellvertretende GdP-Landesvorsitzende. In keiner Polizeiinspektion im Land sei ausreichend Personal vorhanden, „um genügende polizeiliche Präsenz in der Fläche zu zeigen“. Gerade auf dem Land dauere es oft 20 Minuten, bis Unterstützungskräfte anderer Dienststellen vor Ort seien.

Einen Überblick über die Polizeidienststellen in der Region, deren Aufgaben und Zuständigkeiten finden Sie auf Seite 11.

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