Warum die Grundsteuer nirgends so hoch ist wie in Dierfeld in der Eifel.

Kostenpflichtiger Inhalt: Steuern : Minidorf mit Rekordsteuer

Warum die Grundsteuer nirgends so hoch ist wie in Dierfeld in der Eifel.

Es ist die kleinste Gemeinde in Rheinland-Pfalz und das drittkleinste Dorf in Deutschland: Dierfeld. Gerade mal zwölf Einwohner zählt der Ort im Kreis Bernkastel-Wittlich, fast alle stammen aus einer Familie, der von Greve-Dierfeld.

Die betreibt dort ein Landgut mit Baumschule und einem Betrieb für Garten- und Landschaftsbau. 180 Hektar Land werden von der Familie bewirtschaftet. Chef ist Roderich von Greve-Dierfeld. Er ist auch Ortsbürgermeister des Mini-Dorfes. Der Gemeinderat besteht aus sechs Mitgliedern, sie versammeln sich zu den Sitzungen im Gutshof.

Eine länger zurückliegende Entscheidung des Rates sorgt dafür, dass Dierfeld nicht nur als kleinstes Dorf bekannt ist, sondern auch als der Ort mit den höchsten Grund- und Gewerbesteuern. Der Hebesatz beträgt jeweils 900 Prozent und liegt damit so hoch wie nirgends in Rheinland-Pfalz. Der Gemeinderat hat das so festgelegt, um die Aufwandsentschädigung für den Bürgermeister zahlen zu können. Und auch den Unterhalt für die einzige Straße im Dorf. Dafür ist der Ort schuldenfrei. Die Steuereinnahmen sind die einzigen Einnahmen Dierfelds. Und genau betrachtet ist die Familie von Greve-Dierfeld der einzige Steuerzahler dort, ihr gehört der Grund und das einzige Gewerbe.

All das muss man wissen, wenn die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young die Entwicklung der Hebesätze für die Grundsteuer B und die Gewerbesteuer in allen deutschen Städten (außer den Stadtstaaten) miteinander verglichen hat und zu dem Schluss kommt, dass die Gewerbesteuer in Deutschland nirgends höher ist als in Dierfeld und bei der Grundsteuer den neunten Platz belegt.  Im Schnitt liegt der Steuersatz, den Besitzer von Baugrundstücken und Häusern in Rheinland-Pfalz zahlen müssen bei 383 Prozent. Auch andere kleinere Orte in der Region liegen zum Teil deutlich darüber, in Arzfeld und Badem im Eifelkreis Bitburg-Prüm zum Beispiel liegt der Hebesatz bei 500 und in Auw an der Kyll sogar bei 518 Prozent. In Trier werden 450, in Bitburg 425 und in Wittlich 380 Prozent fällig. Bei der Gewerbesteuer sieht es ähnlich aus.

Es gibt aber auch Orte, die positiv herausstechen. Sechs Orte in Rheinland-Pfalz liegen bei der Ernst & Young-Studie ganz vorne in der Rangliste der Gemeinden mit den niedrigsten Grundsteuern. Sie verlangen nämlich gar keine. Dazu zählen auch Reuth in der Vulkaneifel und Gornhausen in Bernkastel-Wittlich. Ewald Hansen, Ortsbürgermeister von Reuth, erklärt, warum es sich das 170-Einwohner-Dorf leisten kann, keine Grundsteuer zu erheben: „2016 sind drei Windräder bei uns in Betrieb gegangen. Ziel der Ortsgemeinde war es allen Einwohnern eine Beteiligung an den Einnahmen zukommen zu lassen, da unsere Ortsgemeinde schuldenfrei war.“

Doch die Kommunalaufsicht habe der Gemeinde untersagt, allen Bürgern einen  Zuschuss zu den privaten Stromkosten von je 100 Euro  zukommen zu lassen, sagt Hansen. Ein Erlass der Grundsteuern sei allerdings gestattet geworden. „Von dieser Möglichkeit machte die Gemeinde dann Gebrauch.“

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