Gleichberechtigung: Weniger Lohn, mehr Teilzeit – so sieht es für Frauen in der Region aus

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Gewerkschafter und die Arbeitsagentur Trier sehen anlässlich des Weltfrauentags noch viel Handlungsbedarf bei der Beseitigung von Ungleichgewichten.

Ernüchternde Nachrichten zum heutigen Weltfrauentag: In der Region Trier verdienen Frauen deutlich weniger Geld als Männer, sind seltener in Führungspositionen zu finden und arbeiten häufiger in Minijobs. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Statistik zur aktuellen Situation am regionalen Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Trier. Die vorgelegten Zahlen zeigten Handlungsbedarf, auch wenn sie keine wirklichen Überraschungen böten, meint James Marsh, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Region Trier. Denn der Bericht zeigt auf, dass Frauen häufiger als Männer in Minijobs und Teilzeitbeschäftigungen arbeiten. Entsprechend hoch ist der Anteil der Frauen in den unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen: Von den 50 725 Teilzeitbeschäftigten in der Region sind 83,4 Prozent weiblich, bei den 124 018 Vollzeitbeschäftigten sind es lediglich 32,9 Prozent.

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Eine altbekannte Situation, deren Grund Marsh auch in den „typischen“ Frauenberufen sieht. „Es gibt Berufssparten, in denen vorwiegend Teilzeitkräfte gesucht werden, und oft sind es Jobs, die vor allem Frauen ausüben“, sagt das DGB-Mitglied.

Gleichzeitig sei, oft wegen Kindererziehung oder der Betreuung von Familienmitgliedern, die Suche nach ebendiesen Arbeitsverhältnissen bei Frauen besonders groß. Laut Agentur für Arbeit sind 80 Prozent der arbeitslosen Frauen daran interessiert, in Teilzeit zu arbeiten, während der Anteil der Männer lediglich bei sieben Prozent liegt.

Dabei öffnen sich mit der fortschreitenden Digitalisierung neue Möglichkeiten für Arbeitnehmer: „Es gibt die Möglichkeit für Männer, in Teilzeit zu gehen oder alternative Arbeitszeiten, auch im Homeoffice, zu wählen“, sagt Hanna Kunze, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Arbeitsagentur Trier. Dadurch hätten Frauen die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten auszuweiten, sagt Kunze weiter.

Dennoch bemerke man, dass insbesondere bei der Berufswahl alte Rollenklischees noch immer bestünden, erklären James Marsh und Hanna Kunze. Immer noch entschieden sich viele Frauen für eine Beschäftigung als Erzieherin, Lehrerin, medizinische Fachangestellte, Friseurin oder in vergleichbaren „klassischen Frauenberufen“. Diesem Klischeedenken müsse man schon früh entgegenwirken. „Wir müssen bereits vor der Berufswahl und dem Einstieg ins Arbeitsleben den jungen Schülerinnen die Angst vor männerdominierten Berufen nehmen“, meint Hanna Kunze.

Wichtiges und brisantes Thema bleibt die gleiche Bezahlung. Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern sei in Deutschland rückläufig, wenn man Faktoren wie die höhere Teilzeitquote von Frauen berücksichtige, wie die Rheinische Post schreibt. Allerdings gibt es in der Region Trier laut Arbeitsagentur einen teils großen Verdienst­abstand zwischen Frauen und Männern mit mittleren Einkommen. So würden nach letzten Erhebungen 2017 Männer in den Landkreisen der Region 700 Euro mehr verdienen als Frauen und in der Stadt Trier immerhin noch 400 Euro.

„Diese hohen Zahlen sind beachtlich. In Zukunft muss die Verringerung dieser Ungleichheit verstärkt angegangen werden, gerade auch von den Gewerkschaften“, sagt James Marsh. Im März bieten sich zwei Tage an, um auf diese Differenzen aufmerksam zu machen: Einerseits der heutige Weltfrauentag, der bereits seit 1911 jedes Jahr begangen wird. Andererseits der „Equal Pay Day“, an dem insbesondere auf die Lohnunterschiede hingewiesen wird. Dieser Tag markiert symbolisch die Zeitdauer, in der Frauen verglichen mit Männern ohne Bezahlung arbeiten. In Deutschland ist der Aktionstag der 18. März. In Trier wird er wenige Tage später, am 23. März, unter dem Motto „Wertsache Arbeit“ begangen.

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