Winzer an der Mosel haben mit der Traubenlese begonnen

Kostenpflichtiger Inhalt: Weinlese : Winzer an Mosel, Saar und Ruwer hoffen auf goldenen Oktober

Die Voraussetzungen für einen sehr guten Weinjahrgang 2019 sind bestens. Jetzt kommt es, wie immer, auf das Wetter an.

Winzer Johannes Schnitzius aus Kröv zeigt in seinem Weinberg in der Lage „Kröver Paradies“ eine Traube. „Schauen Sie, wunderbar goldgelb, reif und gesund.“ Ein paar Meter weiter hängen ebenfalls Trauben, doch an einigen sind die Beeren braun-schwarz und völlig eingeschrumpelt. Sie haben während der heißen Sommertae unter der Hitze gelitten und haben Sonnenbrand. Solche Trauben mindern den Ertrag und können im Wein einen unerwünschten, bitteren Geschmack verursachen. Schnitzius schneidet solche Trauben vor der Ernte ab und lässt sie auf den Boden fallen.

Aber das ist zurzeit auch schon der einzige Wehrmutstropfen, den die Winzer zu Beginn der Weinlese hinnehmen müssen. Denn es sieht hervorragend aus in den Weinbergen. Die Trauben haben in den vergangenen Tagen noch einmal deutlich an Mostgewicht zugelegt, das heißt, sie sind noch süßer geworden. Die Zeit ist reif, die frühen Sorten zu ernten.

Schnitzius hat am Mittwoch mit der Lese der frühreifen Rebsorte Müller-Thugau – auch Rivaner genannt – begonnen. Dafür hat bei einem Lohnnunternehmer einen Traubenvollernter bestellt, der in einer halben Stunde einen ganzen Weinberg erntet. Die Maschine ersetzt eine Lesemannschaft von rund 40 Personen. Mit dem Wagen bringt der Winzer die Ernte zur Kelter. Über 1000 Liter Most fließen ab. Daraus macht er Traubensaft. Der noch trübe Saft weist ein Mostgewicht von 70 Grad Oechsle auf, und die Säure ist im Idealbereich. „Das ergibt einen sehr guten Traubensaft“, sagt Schnitzius. Allein die Saftausbeute ist etwas geringer als im vergangenen Jahr.

Mit der Menge ist der Winzer dennoch sehr zufrieden. Anfang kommender Woche will er weitermachen. Die Trauben, die er dann erntet, werden zu Wein verarbeitet. In einigen Weinbergen will Schnitzius wieder den Vollernter einsetzen, in anderen werden die Trauben mit der Hand gelesen. Die ganze Familie packt mit an. „Ich habe sechs Geschwister, sowie Nichten und Neffen, und am 30. September beginnen die Herbstferien. Das funktioniert ganz gut.“

Auch Winzer Markus Junglen aus Kröv hat am Mittwochmorgen den Vollernter bestellt. Lohnunternehmer Christoph Klein hat drei solcher Riesenmaschinen. In den flachen Lagen der Mosel, dort, wo vor allem die frühreifen Sorten Müller-Thurgau und Dornfelder angebaut werden, ist der Vollernter nicht mehr wegzudenken. In den Steillagen dominiert trotz der Entwicklung spezieller Steillagen-Vollernter immer noch die Handlese.

In den Steillagen wächst vor allem der Riesling – die Sorte, die den Moselwein weltberühmt gemacht hat. Er braucht etwas länger, um reif zu werden. Und diese Zeit nutzt er, um die Aromen einzulagern, die den Riesling so einzigartig machen. Auch der Riesling hat in den vergangenen Tagen enorm an Mostgewicht zugelegt. In einigen Lagen, wo es zuletzt etwas feuchter war, fangen bereits einzelne Beeren an zu faulen. Deshalb wird auch die Riesling-Lese in diesem Jahr vermutlich früher beginnen, als die Winzer noch vor einigen Wochen erwartet haben. Viele Winzer werden vorlesen, damit die gesunden Trauben noch länger am Stock hängen können.

Schon goldgelb und reif: eine Rieslingtraube. Foto: TV/Winfried Simon

Entscheidend für den Lesetermin des Rieslings und damit auch für Menge und Güte des neuen Jahrgangs ist – wie immer – das Wetter in den kommenden Wochen. Am Wochenende soll es wieder wärmer werden, laut Wettervorhersage um die 25 Grad. Danach kühlt es wieder ab und es könnte an einigen Tagen Regen fallen. „Bisschen Regen ist zu verkraften“, sagt Johannes Schnitzius, „aber wenn schon Regen, dann bitte ein kalter Regen.“

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