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Rheinland-Pfalz: Polizeiberuf trotz Pöbeleien gefragt

Sicherheit : Rheinland-Pfalz: Polizeiberuf trotz Pöbeleien gefragt

Gewalt gegen Polizisten und Beleidigungen nehmen auch in Rheinland-Pfalz zu, wenn auch nicht so stark wie in anderen Bundesländern. Der Beruf ist bei jungen Menschen dennoch beliebt.

Trotz zunehmender verbaler und körperlicher Angriffe auf Polizisten steht der Beruf in Rheinland-Pfalz recht hoch im Kurs. Für die 580 Studienplätze an der Hochschule der Polizei lagen in diesem Jahr erneut rund 3000 Bewerbungen vor, wie die Sprecherin des Innenministeriums, Sonja Bräuer, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte. Zwischen 3000 und 4000 Bewerbungen seien es jedes Jahr. Seit 2018 gibt es jedes Jahr 580 Plätze für das Studium „Polizeidienst“. 2010 waren es lediglich 357 Plätze.

Das Interesse an dem Polizeiberuf erklärt die Ministeriumssprecherin so: „Die Polizei hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter entwickelt. Sie wird jünger, moderner und legt sehr großen Wert auf Mitarbeiterorientierung.“ Zu den Anreizen gehöre ein dreijähriges Bachelor-Studium mit Bezügen sowie die Möglichkeit, auf dem Campus der Hochschule der Polizei zu wohnen. Die Bewerber erführen von Anfang an eine „Kultur der Höflichkeit und Wertschätzung“. Einstellungsberater der Polizeipräsidien und eine Zentralstelle an der Hochschule begleiteten die Bewerber von Beginn an und vermittelten ihnen das Gefühl „wir wollen Euch wirklich“, sagte Bräuer. „Das setzt sich im Studium fort.“

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sabrina Kunz, ergänzt: „Menschen, die sich zur Polizei bewerben, haben in der Regel einen sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und den Drang, Menschen zu helfen.“ Die meisten Polizisten sähen ihre Aufgabe als „Berufung“. Wichtig sei es, dass durch die Fürsorge des Dienstherren diese Einstellung über das gesamte Berufsleben positiv begleitet und die Beamten nicht alleine gelassen würden. Rheinland-Pfalz sei dabei auf einem „sehr guten Weg“. Alle Angebote und Instrumente müssten aber auch immer auf den Prüfstand gestellt und weiterentwickelt werden.

Denn Beleidigungen und Gewalt gegen Polizeibeamte nähmen auch in Rheinland-Pfalz zu. „Es ist fast Alltag geworden, Polizisten im Dienst anzupöbeln“, sagte Kunz. So seien in der letzten Zeit auch vereinzelt Flaschen und Steine gegen Beamte geworfen worden. Im Kreis Altenkirchen etwa waren am Donnerstagabend Beamte bei einem Polizeieinsatz angegangen worden, als sie bei einem schwer betrunkenen und leblos wirkenden Mann den Puls und die Atmung überprüften. Sie mussten deshalb nach Angaben der Polizei zweimal einen Taser (Elektropistole) einsetzen.

Wer geht zur Polizei? Von den angenommenen Bewerbern für das Polizeistudium haben fast zwei Drittel Abitur und etwa ein Drittel Fachabitur, wie Bräuer sagt. Bei dem zweitägigen Auswahlverfahren werden die Bewerber auf ihre geistige und körperliche Leistungsfähigkeit geprüft und aus arbeitsmedizinischer Sicht auf ihre Tauglichkeit für den Polizeidienst. Beim theoretischen Teil geht es um die kognitiven Fähigkeiten: Der Test umfasst Intelligenz- und Leistungstests, „die eine Aussage darüber zulassen, ob ein Bewerber das Potenzial hat, mit Erfolg das Studium zu bestehen“, sagte Bräuer. Erfahrene Beamte prüfen zudem die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Bewerber.

Rund ein Drittel der Bewerber in den Ausfallverfahren fallen durch, am häufigsten beim Konzentrations- und Leistungstest.

Als Vorbereitung für Schüler ohne Abitur gibt es seit 2009 zusammen mit den Berufsbildenden Schulen in Ludwigshafen, Lahnstein und Bad Kreuznach zudem den Bildungsgang „Höhere Berufsfachschule Polizeidienst und Verwaltung“ für Schüler mit mittlerer Reife oder einem vergleichbaren Abschluss. Die Jugendlichen können dabei die Fachhochschulreife erwerben, als Voraussetzung für das Studium.

(dpa)