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100.000 Euro verzockt: Wie ein Spielsüchtiger aus der Region mit seiner Krankheit lebt

Trier. Spielsucht ist eine Krankheit, die nicht geheilt werden kann. Das sagt ein Betroffener aus Gusterath (Trier-Saarburg). 100 000 Euro hat er verspielt. Mittlerweile zockt er nicht mehr und meidet Spielhallen. Bernd Wientjes

Trier. 100 000 Euro in vier Jahren - so viel habe er verspielt. An Spielautomaten in irgendwelchen Spielhallen. Thomas Patzelt ( 44) aus Gusterath steht zu seiner Spielsucht. Vor zehn Jahren hat er sich dazu bekannt, hat seiner Familie davon erzählt. Seit 2007 spiele er nicht mehr, sagt er. Krank sei er aber noch immer. Spielsucht sei wie Alkoholsucht eine Krankheit, von der man nicht geheilt werden könne.

2004 hatte sich Patzelt als Spielsüchtiger geoutet. Danach hat er eine Therapie gemacht. Ähnlich wie ein trockener Alkoholiker, der bei jedem Schluck Wein oder Bier wieder rückfällig werden kann, besteht bei ihm die Gefahr, dass er erneut sein Geld in Automaten steckt. Er meide daher jeden Spielsalon oder jede Kneipe, in der ein Spielautomat hängt. Patzelt ist Landesvorsitzender von Spielfrei, einem Selbsthilfeverein für Glücksspielsüchtige. Zwischen sechs und acht Betroffene kämen zu den wöchentlichen Treffen der vier Gruppen in der Region, sagt Patzelt.

Bis es so weit sei, dass die Spielsüchtigen Hilfe annähmen, vergingen aber oft Jahre, sagt Andreas Stamm. Er leitet die Suchtberatung Die Tür in Trier. 69 Beratungen wegen Spielsucht sind im vergangenen Jahr dort vorgenommen worden. Die meisten Betroffenen seien Männer, sagt Stamm. Den typischen Spielsüchtigen beschreibt er so: "Männlich, 20 bis 40 Jahre, feste Arbeitsstelle, verspielt sein ganzes Geld in Spielhallen." 500 Euro pro Monat, die verspielt würden, seien für Spielsüchtige keine Seltenheit. Zumeist gingen sie in Spielhallen, dort seien sie unter ihresgleichen und blieben trotzdem anonym, sagt Stamm. Anfangs nähmen sie sich vor, nicht mehr als 20 bis 50 Euro in den Automaten zu lassen. Doch zumeist bleibe es dabei nicht. Viele Spielsüchtige gingen dann zum Geldautomaten, um sich Nachschub für immer weitere Spiele zu besorgen, sagt Stamm. "Wer zwei- bis dreimal pro Monat in eine Spielhalle geht, hat große Chancen, süchtig zu werden", erklärt der Experte.Spieler im Zwiespalt


Das Landesglücksspielgesetz macht es in Rheinland-Pfalz möglich, den Zutritt zu Spielhallen für sich sperren zu lassen. Für Kneipen gibt es diese Möglichkeit noch nicht. Die Spieler lebten in einem Zwiespalt: Einerseits wollten sie ihre Sucht beenden, andererseits aber auch weiter spielen, sagt Stamm. Durch das Beantragen der Spielsperre entschieden sie sich gegen das Spielen. Dazu muss der Betroffene ein Formular ausfüllen und per Einschreiben an den Spielhallenbetreiber schicken. Dann hat er dort keinen Zutritt mehr. Lässt das Personal den Gesperrten trotzdem herein, droht dem Besitzer eine Strafe.

Die für die Glücksspielaufsicht im Land zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier hat ihre Kontrollen von Spielhallen und Kneipen mit Spielautomaten ohnehin verschärft. Ende Januar hat sie die Betreiber und Besitzer noch einmal ausdrücklich darauf angesprochen.

Infos: Spielsüchtige können sich beim Selbsthilfeverein Spielfrei über Therapien und Hilfen informieren: www.spielfrei24.de

Auch die Suchtberatung Die Tür in Trier bietet Hilfe an: www.die-tuer-trier.de - Dort gibt es auch Infos über die Spielsperre.