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27-jähriger Mainzer führt AfD-Landesliste an

Sebastian Münzenmaier. Foto: privat
Sebastian Münzenmaier. Foto: privat FOTO: (g_pol3 )
Bingen. Die AfD hat ihr Personal für die Bundestagswahl im September bestimmt. Angeführt wird die Liste von dem Mainzer Sebastian Münzenmaier. Oliver Riegen, dpa

Auf einem Parteitag in Bingen setzte sich der 27-Jährige, der auch Geschäftsführer der Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag ist, gegen mehrere Mitbewerber durch - darunter auch die stellvertretende Landeschefin Christiane Christen. Münzenmaier ist Direktkandidat im Wahlkreis Mainz. Er wolle sich für Volksentscheide nach Schweizer Vorbild sowie einen "konsequenten Schutz der deutschen Außengrenzen" einsetzen, sagte Münzenmaier.

Auf den weiteren Plätzen folgen nach Angaben der AfD Heiko Wildberg (Wahlkreis Südpfalz), Andreas Bleck (Neuwied) und Nicole Höchst (Bad Kreuznach). Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Christiane Christen unterlag im Duell um die Spitzenkandidatur gegen Münzenmaier. Sie kritisierte in Interviews den Führungsstil von Landeschef Uwe Junge. Ein Berufssoldat und eine selbstständige Unternehmerin - "das passt einfach nicht miteinander", sagte sie. "Meine Eltern haben mich zu maximaler Selbstständigkeit erzogen." Sie forderte vom Landesvorsitzenden, enger mit ihr zu kommunizieren. "Herr Junge bewegt sich einfach deutlich weniger als ich."

Parteichef Junge äußerte angesichts des Streits um den Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke, gegen den nach seiner Rede unter anderem zum Holocaust-Mahnmal in Berlin ein Verfahren zum Parteiausschluss läuft, bei dem Treffen in Bingen die Hoffnung auf zurückkehrende Einigkeit in der Partei. "Ich verstehe sehr gut, dass vielen von Euch die momentane Lage der AfD im Bund Sorge bereitet. Mir auch", sagte Junge. "Dieser Parteitag hier in Rheinland-Pfalz wird weder die Konflikte um eine Dresdner Rede noch Konflikte in anderen Landesverbänden lösen können." Die AfD Rheinland-Pfalz könne aber gefestigt und mit einem starken Team für die Wahl der gesamten Partei den Rücken stärken.

Der Parteitag mit rund 430 Mitgliedern stimmte aus formellen Gründen nicht über einen Antrag ab, der sich mit dem Fall Höcke befasst. Der Thüringer Landeschef war aber auch sonst ein Thema: Mehrere rheinland-pfälzische AfD-Mitglieder trugen Buttons mit der Aufschrift "Höckianer". Eine AfD-Anhängerin aus dem Rhein-Pfalz-Kreis zeigte sich mit einem T-Shirt, auf dem "Höckianerin" stand. "Man kann jemanden kritisieren, sagte sie. "Aber jemanden ausschließen zu wollen, weil er seine Meinung vertritt, das kann nicht sein."

Die Zustimmung zur AfD war zuletzt gesunken. Im Wahltrend von Stern und RTL vom Mittwoch hatte sie sich wieder leicht verbessert. Junge sieht seine Partei wieder im Aufwind. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz habe der AfD in den vergangenen Wochen durchaus Anhänger weggenommen. Nun müsse man sehen, ob er auch Konzepte habe. "Er macht das sehr populistisch."

Vor dem Parteitagsgebäude protestierte eine Gruppe von rund 50 Anhängern von SPD, Linken und Grünen. Ein Redner warf der AfD eine "Politik der Angstmacherei" vor. Die Demonstration blieb nach Angaben der Polizei friedlich. Junge sprach in der Halle von "rotem Gesocks".