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7400 Polizisten sorgen in Mainz für Sicherheit beim Einheitsfest

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Trier/Mainz. Mehr als eine halbe Million Besucher werden erwartet. Die Stadt wird zum Hochsicherheitstrakt. Von Florian Schlecht

Die Bilder von der Einheitsfeier 2016 in Dresden gingen um die Welt. Pegida-Anhänger beschimpften die Politiker mit wüsten Worten: "Volksverräter", "Haut ab", schallte es aus Hunderten Kehlen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) geht in Rheinland-Pfalz nun von einem friedlichen Fest aus.

Mit 500.000 Besuchern rechnet das Land in Mainz, wo die deutsche Einheit in diesem Jahr gefeiert wird, und zwar an zwei Tagen. Erst steigt am 2. Oktober ein Bürgerfest, bei dem Musiker wie Tim Bendzko sowie Culcha Candela auftreten. Zum 3. Oktober kommen Staatsgäste wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Gottesdienst und einem Festakt nach Mainz.

Für beide Tage rüstet das Land auf. Die Stadt ist schon seit Tagen ein Hochsicherheitstrakt. Das durch mehr als 100 Straßensperren gesicherte Festgelände ist für Autos nicht zu befahren, Busse werden umgeleitet. Bei mehr als 10.000 Menschen hat es Überprüfungen gegeben, bei Anmeldungen seien Personaldaten teils nach einem Sechs-Augen-Prinzip auf ihre Richtigkeit überprüft worden, teilt das Innenministerium mit.

Gut 7400 Polizisten sind an beiden Tagen im Einsatz, 6000 kommen davon aus Rheinland-Pfalz. Zum Vergleich: Die Polizei im Land hat derzeit keine 8900 Vollzeitstellen. Gut 500 Beamte helfen in Mainz vom Polizeipräsidium Trier aus.

Lewentz sagt, es gebe "derzeit absolut keine Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass die Feierlichkeiten im Fokus einer möglichen Attacke stehen könnten". Großdemos - wie beim G-20-Gipfel - sind bislang nicht angemeldet. Die größte Kundgebung ist ein Marsch der Globalisierungsgegner von Attac am Dienstag mit 700 angemeldeten Teilnehmern.

Ärger gibt es aber zwischen Polizei und Land: Die junge Gruppe der Gewerkschaft der Polizei beklagt, dass junge Studierende als "Füllmaterial" verwendet würden. Das Innenministerium hält dagegen, Nachwuchspolizisten würden je nach Fähigkeiten und Ausbildungsgrad beim Fest eingesetzt.

Benno Langenberger, Landesvorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft, spricht dennoch von einem Beleg, wie schlecht die Polizei im Land aufgestellt sei. "Für die Feier wird alles mobilisiert, was nicht auf der Straße und in der Inspektion gebraucht wird." Er rechnet mit 50.000 zusätzlichen Polizei-Überstunden. Matthias Lammert (CDU) tadelt, das Land habe jahrelang zu wenig eingestellt.

Im Haushalt hat das Land 3,25 Millionen Euro für das Einheitsfest eingestellt. Für Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die am Freitag von einer Kanada-Reise zurückkehrte, bildet das Fest den Abschluss der Bundesratspräsidentschaft. "Ich wünsche mir ein fröhliches, buntes und vor allem friedliches Fest", sagt die Triererin. Besucher aus der Region sollten in Mainz auf Shuttlebusse zum Festgelände zurückgreifen. Sie fahren von der Uni, dem ZDF und der Messe.