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Ärzte fordern auch für Deutschland ein Rauchverbot im Auto

Trier/Luxemburg. In Luxemburg droht künftig eine Strafe, wenn beim Fahren mit Kindern gequalmt wird. Hierzulande setzen der ADAC und die Landesgesundheitsministerin auf die Einsicht der Eltern. Bernd Wientjes

Wer in Luxemburg beim Rauchen im Auto erwischt wird, wenn Kinder mitfahren, dem droht seit ein paar Tagen eine Geldstrafe. Bis zu 250 Euro sind fällig, wenn man beim Fahren qualmt und unter Zwölfjährige dabei sind.

"Richtig so!", sagt Günther Matheis. Er ist nicht nur Lungenchirurg am Trierer Brüderkrankenhaus und in dieser Funktion Arzt im dortigen Lungenkrebszentrum, sondern seit Anfang des Jahres auch Präsident der Landesärztekammer. "Kinder und Jugendliche, die in Autos mitfahren, müssen wirksam vor Passivrauchen geschützt werden. Sie leiden darunter noch stärker als Erwachsene", sagt der Landesärztechef. "Die Schadstoffkonzentration liegt hier sogar über der einer durchschnittlich verrauchten Bar."

Aufgrund der hohen Konzentration zahlreicher, teils krebserzeugender Gifte sei Rauchen im Auto als Gefährdung des Kindeswohls anzusehen. Daher habe der Deutsche Ärztetag im vergangenen Jahr hat auf Initiative der rheinland-pfälzischen Ärzte die Bundesregierung aufgefordert, Rauchen im Auto zu verbieten, wenn Kinder darin sitzen.

Doch bislang scheint die Politik wenig Interesse zu haben, den Nichtraucherschutz in Deutschland zu verschärfen. Ein Rauchverbot in Autos steht derzeit nicht auf der Agenda der Bundesregierung. Auch ansonsten gibt es beim Thema Rauchverbot keine bundesweit einheitlichen Regelungen. In fast jedem Bundesland gelten andere Regeln - von totalem Rauchverbot in Gaststätten bis hin zu Ausnahmen wie in Rheinland-Pfalz. In Luxemburg beruft man sich bei der Verschärfung des Rauchverbots auf die EU-Tabakrichtlinie aus dem Jahr 2014.

Allerdings geht das Nachbarland weit über die darin gemachten Vorgaben, etwa Warnhinweise auf Zigarettenpackungen und Qualitätskriterien für elektronische Zigaretten, hinaus. In Luxemburg gilt nicht nur ein Rauchverbot in Autos, sondern auch auf Spielplätzen. Statt eines verschärften Rauchverbots will man in Deutschland ab 2020 Werbung für Tabak und E-Zigaretten verbieten.

Landesgesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) setzt auf die Verantwortung und Vorbildfunktion der Eltern ihren Kindern gegenüber. Außerdem sagt die Ministerin: "Ein mögliches Rauchverbot in Fahrzeugen - beispielsweise innerhalb des Kinder- und Jugendschutzes - fällt in den Regelungsbereich des Bundes." Neben gesetzlichen Maßnahmen sei ständige Suchtprävention notwendig, "um Kinder darin zu bestärken, nicht mit dem Rauchen zu beginnen".

Auch der ADAC setzt auf die Einsicht der Eltern, nicht im Auto zu rauchen, wenn Kinder mitfahren. "Man muss nicht alles verbieten und regulieren", sagt Herbert Fuss vom ADAC Mittelrhein in Koblenz. Er rauche selbst im Auto, wenn er allein unterwegs sei. Außerdem: "Wie soll ein solches Rauchverbot kontrolliert werden?" Nach dem Rauchverbot komme vermutlich das Verbot, Wasser im Auto zu trinken, sagt der Verkehrsexperte ironisch. Fuss kritisiert ferner, dass in Luxemburg das Rauchverbot im Auto nur bei mitfahrenden Kindern bis zwölf Jahren gilt. "Sind ältere Kinder weniger gefährdet?"

Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto? Mailen Sie uns Ihre Meinung an echo@volksfreund.de . Bitte Namen und Anschrift nicht vergessen!Verbot gilt auch in anderen Ländern

Rauchen im Auto, wenn Kinder oder Jugendliche mitfahren, ist in vielen Ländern verboten, etwa in Italien (hier droht Bußgeld bis 5000 Euro), Griechenland, Frankreich und Großbritannien (bei Mitfahrern unter 18).