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Dürrehilfe von 25 Millionen Euro
Schadholz und sinkende Preise: Wie ein winziger Käfer die Waldbauern stresst

Der trockene Sommer hat den Befall von Bäumen mit dem als Schädling gefürchteten Borkenkäfer begünstigt. Viel Holz ist deshalb schon geschlagen worden.
Der trockene Sommer hat den Befall von Bäumen mit dem als Schädling gefürchteten Borkenkäfer begünstigt. Viel Holz ist deshalb schon geschlagen worden. FOTO: TV / Michael Reichel
Boppard. Kleiner Schädling, große Wirkung: Unscheinbare Borkenkäfer können Fichten in wenigen Wochen den Garaus machen. Darunter leiden in diesem Jahr viele Waldbesitzer. Schadholz überschwemmt den Holzmarkt. Dessen Preise rauschen nach unten. In Boppard erörtern Waldbauern die Folgen des Klimawandels. Von Jens Albes (dpa)

Angesichts der extremen Trockenheit in diesem Jahr hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) den Waldbesitzern eine Dürrehilfe von 25 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Diese sei im Haushaltsausschuss des Bundestags verteilt auf fünf Jahre bundesweit bewilligt worden, sagte die Ministerin laut Redemanuskript am Dienstag bei einer Mitgliederversammlung des Waldbesitzerverbands für Rheinland-Pfalz in Boppard am Rhein.

Mit dem Geld sollten „Maßnahmen zur Prävention und Anpassung auf Extremwetterlagen“ im Wald gefördert werden. Laut Klöckner ist zudem das Bundesfinanzministerium wegen möglicher weiterer Erleichterungen bei der Einkommensteuer betroffener Waldbesitzer angefragt.

Die CDU-Bundesvize erinnerte an die Sturmschäden im vergangenen Winter, die starken diesjährigen Trocken- und Käferschäden sowie die Waldbrände. Viel Schadholz sei auf dem Markt. „Die Holzpreise sind stark gefallen.“ Viele Neuanpflanzungen hätten die Dürre nicht überlebt. Der Gesamtschaden für die bundesdeutsche Forstwirtschaft ist laut Klöckner auch vom künftigen Wetter abhängig und wohl erst 2019 genau zu beziffern.

Der am Dienstag neu gewählte Vorsitzende des Waldbesitzerverbands für Rheinland-Pfalz, Christian Keimer, sprach laut Mitteilung mit Blick auf die neue Finanzhilfe von einem ersten Anfang: „Es gilt abzuwarten, wie sich die Folgen der katastrophalen Dürre im Jahr 2019 entwickeln, um zeitnah nachzubessern.“ Zugleich erinnerte Keimer daran, dass die 25-Millionen-Euro-Unterstützung des Bundes von den Ländern um insgesamt zwei Drittel aufgestockt werden soll.

Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde.	 Foto: dpa
Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde. Foto: dpa FOTO: dpa / Roland Weihrauch

 Das rheinland-pfälzische Forstministerium in Mainz teilte mit, es begrüße die angekündigte Dürrehilfe des Bundes – allerdings sei sie „nur ein sprichwörtlicher Tropfen auf den heißen Stein und keine zureichende Antwort auf die dramatische Situation“. Rheinland-Pfalz würde dabei nur mit rund 265 000 Euro pro Jahr unterstützt. Geholfen würde damit auch lediglich dem Kommunal- und Privatwald, nicht aber dem Staatswald.

„Der Bund muss hier dringend nachsteuern“, forderte das Forstministerium.

Auch der forstpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Karlheinz Busen, kritisierte: „Die von Frau Klöckner angekündigten Dürrehilfen für Waldbesitzer reichen gerade einmal für das Benzin der Kettensägen.“

04.11.2018, Berlin: Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft und stellvertretende CDU-Vorsitzende, kommt zu einer Sitzung des Präsidiums der Partei in das Konrad-Adenauer-Haus. Die Spitzen der CDU treffen sich zur Vorbereitung auf den Bundesparteitag und die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Foto: Gregor Fischer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
04.11.2018, Berlin: Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft und stellvertretende CDU-Vorsitzende, kommt zu einer Sitzung des Präsidiums der Partei in das Konrad-Adenauer-Haus. Die Spitzen der CDU treffen sich zur Vorbereitung auf den Bundesparteitag und die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Foto: Gregor Fischer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Gregor Fischer

Zum Klimawandel sagte der neue Waldbesitzerverbandschef Keimer, der auch Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde Kastellaun im Hunsrück ist: „Er kommt schneller und heftiger, als wir das erwartet haben. Dürresommer, Starkregen­ereignisse und Orkane sind nur die Vorboten.“ Wegen der explosionsartigen Vermehrung der Borkenkäfer in der Hitze in diesem Sommer sei in Rheinland-Pfalz schon eine halbe Million Festmeter befallenes Holz eingeschlagen worden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Borkenkäfer bohren für die Eiablage Gänge in Rinde und Holz – vor allem bei Fichten.

Der Geschäftsführer des Waldbesitzerverbands für Rheinland-Pfalz, Wolfgang Schuh, hatte zuvor gewarnt, bei einem neuen trockenen und warmen Frühling gebe es die Gefahr, „dass es nächstes Jahr noch schlimmer wird“. Befürchtet werde beispielsweise eine hohe Ausgangspopulation der Borkenkäfer.

Die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) hatte im September insgesamt von einem schätzungsweise niedrigen zweistelligen Millionenschaden in den Wäldern des Landes in Folge der diesjährigen Dürre gesprochen.