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Auch in der Region Trier: Immer mehr Menschen arbeiten im hohen Alter

Trier. Jeder Neunte der 65- bis 74-Jährigen ist beruflich aktiv. Gewerkschaften und Sozialverbände sehen die Gefahr von Altersarmut als häufigen Grund dafür. Doch das ist nur eine Ursache. Von Rainer Neubert

Eine bezahlte Arbeit im Rentenalter wird zunehmend zur Normalität. Das belegen aktuelle Ergebnisse des Statistischen Bundesamts (siehe Info). Doch nicht für alle Menschen über 65 ist das eine Frage von Freude und Lebensqualität. "Das sinkende Rentenniveau und gleichzeitig steigende Lebenshaltungskosten lassen immer mehr Menschen keine Wahl", ist DGB-Regionalgeschäftsführer James Marsh. Er verweist auf eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Demnach steigt das Armutsrisiko im Alter besonders für alleinstehende Frauen und Menschen ohne Berufsausbildung.
Die Bertelsmann-Stiftung warnt sogar, im Jahr 2036 sei jeder fünfte Neurentner von Altersarmut bedroht. Aktuell gilt das für alle Menschen, deren Netto-Einkommen unter 958 Euro liegt.

Die Gründe für die deutliche Zunahme - im Arbeitsamtsbezirk Trier sind derzeit 1596 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Alter zwischen 65 und 75 Jahren registriert - liegt allerdings auch daran, dass seit 2012 die Altersgrenze für die Rente schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sind rentenberechtigte Mitarbeiter schon jetzt besonders bei kleineren Betrieben gerne gesehen. "Je älter die Beschäftigten sind, desto stärker sind die Teilzeitmodelle und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse vertreten", sagt Benjamin Koerfer, Sprecher der Agentur für Arbeit Trier.

Von dem Flexirenten-Gesetz 2016 sind zudem Anreize für Arbeitnehmer geschaffen worden, um über das Regelrentenalter hinaus zu arbeiten. Seit Anfang des Monats kann für einen fließenden Übergang in den Ruhestand die Teilrente stufenlos gewählt werden. Ein jährlicher Hinzuverdienst von 6300 Euro bleibt anrechnungsfrei.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier verweist zudem auf immer mehr Unternehmen, die früh in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren, um deren Erfahrung lange nutzen zu können.

Die alleinige Antwort auf den Fachkräftemangel könne die Bindung älterer Arbeitnehmer aber nicht sein, lautet die Überzeugung bei der Agentur für Arbeit. "Auch die Qualifizierung von ungelernten Arbeitnehmern ist eine Möglichkeit", sagt Heribert Wilhelmi, Chef der Arbeitsagentur Trier.

Dem stimmt auch DGB-Regionalgeschäftsführer James Marsh zu. "Der Bedarf an Fortbildung ist sehr groß." Bei der Bereitschaft der Betriebe, auch ältere Menschen neu einzustellen, sieht er allerdings Potenzial: "Ältere Mitarbeiter verdienen natürlich mehr. Da werden lieber junge Leute ohne Tarifverträge eingestellt."Mehr zum Thema:

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