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Ausstellung
In Mainz lächelt die Micky Maus: Ausstellung zeigt Disney-Helden im Wandel der Zeit

In einem Museum ist die Geschichte einer ganz berühmten Maus zu sehen: Micky Maus.
In einem Museum ist die Geschichte einer ganz berühmten Maus zu sehen: Micky Maus. FOTO: Andreas Arnold / dpa
Mainz. Eine Ausstellung im Mainzer Landesmuseum zeigt, wie Micky Maus vom Anarchisten zum Biedermann wurde und mal auf einer Bohnerwachs-Tube landete. Doch sind Comics auch Kunst, die in ein Museum gehört?
Florian Schlecht

Etwas hüftsteif kommt die angebliche Micky Maus daher, die auf einer Tube für Bohnerwachs wirbt. Falsch geschrieben ist sie auch noch. „Micki-Edel-Mop“ steht auf der Packung, die in den dreißiger Jahren in deutschen Einkaufsläden lag. Ein jämmerlicher Versuch, die Zeichentrickfigur zu vermarkten, weiß Eduard Sebald, der das Geheimnis hinter der Politur kennt: „In Deutschland war alles verpönt, was aus den USA kam, doch Micky Maus war recht beliebt.“ Die Folge: Werber zeichneten die Figur ohne Vorlage und verkorksten die Schreibweise. „Alles in allem“, sagt Sebald und verdreht die Augen, „war das nix“.  

Der fröhliche Mann mit der Dauerwelle arbeitet als Kurator der Disney-Ausstellung in Mainz, wo die Tube in einer Vitrine steht. Mehr als 50 000 Besucher will das Landesmuseum vom 14. März bis 29. Juli in die Geheimnisse von Micky Maus, Donald Duck und Co. einweihen. Besonders echte Disney-Fans stoßen dabei auf Schätze wie das erste Micky-Maus-Buch aus dem Jahre 1931 oder die Antwort auf die Frage, wie Donald Duck zu seinen drei Neffen kommt (Auflösung: eine Schwester schickt ihm erst ein Telegramm und dann die Jungs vorbei). Dazwischen laufen alte Schwarz-Weiß-Filme. Und als Wegweiser führen gelbe Watschelfüße durch die Räume.

Doch ist die Disney-Welt auch wirklich Kunst, die in ein Museum gehört? Ja, findet Sebald. „Die Frage, ob das Schund ist, stellt sich nicht mehr. Die Macher konnten in erster Linie mal unglaublich gut zeichnen.“ Nicht umsonst widmet sich die Ausstellung stark den Disney-Zeichnern von früher und heute, etliche Skizzen hängen an den Wänden. „Erst der grobe Entwurf mit einem blauen Stift, dann die Konturen mit Bleistift oder Tusche: An der Arbeitsweise hat sich über die Jahrzehnte hinweg fast nichts verändert“, meint Sebald.  Die Comics zeigen aber auch, wie sich Figuren gewandelt haben. Ob Donald Duck, der anfangs noch einen riesigen Schnabel hatte und einen noch längeren Hals. Oder Micky Maus, in den frühen Jahren „ein Abenteurer, ein Anarchist“ und mit steigendem Bekanntheitsgrad deutlich näher am biederen Familienvater, schildert Sebald. Als Marke war die Maus früh begehrt, zeigen Exponate: Es gibt Brotdosen, Teekannen und Tassen, auf denen der Disney-Held abgebildet ist.

Die Ausstellungsstücke offenbaren aber auch so manchen Riss, der durch das Disney-Imperium ging: Dagobert-Duck-Schilder, mit denen Mitarbeiter gegen niedrige Löhne demonstrierten, als der Konzern – bildlich gesprochen – schon volle Geldspeicher hatte.

Oder ein Seitenhieb von Carl Barks, der als Gründer des Entenhausen-Universums gilt und den geizigen Dagobert erst erfand: Von dem begnadeten Zeichner stammt das Bild einer gerupften Ente von 1976, die übersetzt so was sagt wie: „Was für eine dämliche Idee, ein Copyright auf Enten zu machen.“ Aber auch eine Idee, die nun zu einer großen Ausstellung in Rheinland-Pfalz führt. Wie würde Micky Maus in den alten Filmen freudig ausrufen? „Oh Junge!“

Die Ausstellung ist vom 14. März bis 29. Juli im Mainzer Landesmuseum zu sehen. Schulklassen können Führungen anmelden. Die Macher planen auch ein Open-Air-Kino, eine Trickfilmwerkstatt für Kinder, Experten-Vorträge und den Besuch von zwei Disney-Zeichnern aus Deutschland.

Micky Maus ist bald im Mainzer Landesmuseum zu sehen.
Micky Maus ist bald im Mainzer Landesmuseum zu sehen. FOTO: Axel Heimken / dpa
Lucky
Lucky FOTO: Eltges, Stefanie / TV