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Bahnhöfe unterm Hammer

Die Pläne, aus dem Bahnhof Konz-Karthaus ein Jugend- und Fahrradhotel zu machen, sind vorerst gescheitert. Vermutlich kommt die Immobilie, wie viele andere Bahnhöfe auch, nach der Insolvenz von "First Rail Estate" unter den Hammer.Foto: TV-Archiv/Martin Möller
Die Pläne, aus dem Bahnhof Konz-Karthaus ein Jugend- und Fahrradhotel zu machen, sind vorerst gescheitert. Vermutlich kommt die Immobilie, wie viele andere Bahnhöfe auch, nach der Insolvenz von "First Rail Estate" unter den Hammer.Foto: TV-Archiv/Martin Möller
MAINZ. Dicke Fragezeichen stehen hinter der Zukunft vieler ausgedienter Bahnhöfe. Nach der Insolvenz des Besitzers und Investors First Rail Estate (FRE) werden wohl bundesweit mehr als 500 Bahnhöfe unter den Hammer kommen, darunter auch Stationen in der Region Trier. Weitere 500 gehen zurück an die Bahn und suchen Käufer. ARRAY(0x39d24eb0)

Die Hoffnung keimte nur kurz: Noch bevor sich in irgend einem alten Bahnhof im Land neues Leben entwickeln konnte, ist die hessische Investmentgesellschaft FRE im Sommer in die Insolvenz gegangen - eineinhalb Jahre nachdem sie mit dem Mainzer Innenministerium einen Kooperationsvertrag zur Entwicklung von Bahnhöfen eingegangen war. Es sind keine Landesmittel in die Zusammenarbeit geflossen, allerdings ist es auch zu keinem einzigen Projekt in Rheinland-Pfalz gekommen, wie Innenminister Karl-Peter Bruch (SPD) betont. Doch auch ohne einen finanziellen Schaden bleibt festzustellen, dass nach jahrelangen erfolglosen Gesprächen vieler Kommunen mit der DB über die Nutzung von Bahngelände erneut viel Zeit ergebnislos verstrich. Große Pläne von First Rail, Poststellen, Reiseagenturen, Geschäfte oder Wohnungen in den Stationen unterzubringen oder etwa den Bahnhof Konz-Karthaus zum Jugend- und Fahrradhotel umzufunktionieren, sind erst einmal gestorben - und damit auch die Hoffnung vieler Städte und Gemeinden, an der DB vorbei mit einem privaten Eigentümer schneller zu Nutzungskonzepten und Kommunalentwicklung zu kommen. Hatte sich die Bahn doch vorher nach den Worten des Konzer Bürgermeisters Winfried Manns oft genug "beweglich wie ein Amboss" gezeigt. Die 502 von FRE bereits erworbenen Bahnhöfe, darunter 19 in Rheinland-Pfalz und mit Konz-Karthaus, Hetzerath, Schweich und Ürzig vier in der Region Trier, werden nach Informationen des Innenministeriums wohl noch in diesem Jahr vom Konkursverwalter versteigert. Für weitere 517 Bahnhöfe, die FRE bereits zur Bewirtschaftung übernommen und eine Kaufoption hatte, fallen wieder an die Bahn zurück. Dazu gehören 45 Stationen im Land, unter anderem Konz, Salmrohr, Speicher und Wellen/Mosel. Für sie sucht die Bahn nun neue Käufer. Nach der Pleite mit First Rail, die vom Strudel eines offensichtlichen Anlagebetruges erfasst wurde, hofft das Land jetzt auf eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Bahn, um Verwertung und Entwicklung von Bahnhöfen und -gelände doch noch voranzubringen. Grundsätzliche Übereinstimmung sei erzielt, heißt es im Innenministerium.