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Bauern und Winzern geht der Nachwuchs aus

Trier. Nur noch jeder sechste Bauer oder Winzer im Land hat einen Nachfolger. Berufsvertreter sehen das Ergebnis der neuesten Landwirtschaftszählung jedoch nicht nur negativ. Denn die Betriebe, die bleiben, müssen wachsen, um zu überleben.

(kah) Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Rheinland-Pfalz hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verringert: 1999 gab es noch rund 35.000 Betriebe. 2010 sind es nur noch rund 20.000 - 42 Prozent weniger. Und dieser Trend, der sich bei Bauern wie bei Winzern auch in der Region Trier niederschlägt, ist - wie die neueste Landwirtschaftszählung zeigt - nicht zu bremsen: Denn nach Angaben des Statistischen Landesamts verfügt nur noch jeder sechste Betrieb über einen Nachfolger. Der seit Jahrzehnten zu beobachtende Strukturwandel wird sich daher fortsetzen.

Eine Entwicklung, die Leo Blum, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, allerdings nicht nur negativ sieht. So schwer es für den Einzelnen sei, seinen Familienbetrieb aufzugeben - für die Betriebe, die bleiben und die wachsen müssen, biete der Strukturwandel eine Chance.

Die Gründe für die Entwicklung sind vielfältig. Da ist zum einen der demografische Wandel: Zwei Drittel der rheinland-pfälzischen Landwirte sind älter als 45 Jahre. Laut Blum führen auch die niedrigen Lebensmittelpreise der vergangenen Jahre dazu, dass Höfe aufgeben. Und die Tatsache, dass junge Leute auch in anderen Berufen gute Chancen haben. All dies bewirkt, dass sich potenzielle Hoferben gegen die Landwirtschaft entscheiden. Die Zahl der Landwirtschaftsschüler hat sich in den vergangenen zehn Jahren allerdings kaum verändert: 2000 gab es im Land 186. Dieses Jahr sind es 197. Nicht genug, um den Trend des Höfesterbens zu stoppen. An der Weinbauschule in Bernkastel-Kues hat sich die Zahl der Schüler seit 2000 sogar verdoppelt (heute 160 Schüler). Der Grund: Viele Quereinsteiger haben ihre Liebe zum Weinbau entdeckt. Allerdings wird dies den Rückgang der Winzerbetriebe laut Schulleiter Wolfram Börker nur schwach bremsen.