| 18:59 Uhr

Digitalisierung
Beim schnellen Internet hinkt die Region (noch) hinterher

Innenminister Lewentz (links) wirbt in Trier für schnellere Netze: „Den Einstieg in die Gigabit-Gesellschaft dürfen wir nicht verschlafen.“ 
Innenminister Lewentz (links) wirbt in Trier für schnellere Netze: „Den Einstieg in die Gigabit-Gesellschaft dürfen wir nicht verschlafen.“ 
Trier. Innenminister Roger Lewentz drängt in Trier auf den Gigabit-Ausbau. Das Land stellt dafür in den kommenden Jahren 575 Millionen Euro bereit. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Als Joachim Streit im Oktober 2012 auf Facebook eine Breitbandoffensive in der Eifel postete, war sein Urlaub dahin. 300 E-Mails trudelten bei dem Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm ein, in denen sich Bürger beschwerten, warum der Ausbau so lange dauere und wann ihre Dörfer endlich an der Reihe seien. Als Streit vor wenigen Tagen die ARD-Serie „Babylon Berlin“ lobte, erreichten ihn nur noch zwei Reaktionen, in denen Eifeler beklagten, sie hätten die Sendung wegen des langsamen Internets nicht online sehen können. „Von 300 zu zwei E-Mails in sechs Jahren: Es hat sich was getan“, schließt Streit daraus. Noch hinkt die Region beim schnellen Netz aber hinterher (siehe Extra). Geht es um rasend schnelle Gigabit-Verbindungen pro Sekunde, so verfügen in ganz Rheinland-Pfalz nur 2,5 Prozent aller Haushalte über eine solche Geschwindigkeit. Das soll sich ändern, sagt Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Dienstag bei einer Veranstaltung von Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer in Trier.

Der Minister lobt das Zusammenspiel zwischen Land, Bund und Kommunen, das den flächendeckenden Ausbau mit schnellem Internet beschleunigt habe: 80,9 Prozent der rheinland-pfälzischen Haushalte seien inzwischen mit schnellem Netz von 50 Megabit pro Sekunde und mehr versorgt. Doch die Datenmengen steigen rasant: Menschen schauen Serien auf Online-Streamingdiensten, erledigen Bankgeschäfte via App, Ärzte wollen Telemedizin-Angebote ausweiten. „Den Einstieg in die Gigabit-Gesellschaft dürfen wir nicht verschlafen“, warnt Lewentz. Der nächste Schritt werde aber mehr kosten. 575 Millionen Euro habe Rheinland-Pfalz für den Gigabit-Ausbau in den Haushalt eingestellt, sagt Lewentz. „Das schlägt jedes Straßenbauprogramm“, sagt der Minister. Erfüllt sieht er mit der Summe den Anteil von 40 Prozent, den das Land stets zu einem Netzausbau beigetragen habe. Weitere zehn Prozent übernahmen bislang die Kommunen, 50 Prozent der Bund. „Herr Schnieder, auch Ihr müsst das Portemonnaie öffnen“, sagt Lewentz zum CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Schnieder. Der Eifeler deutet Investitionen von bundesweit zwölf Milliarden Euro für den Breitbandausbau an. „Es gibt Überlegungen, beim Zuschuss über 50 Prozent hinauszugehen.“

Die IHK beschäftigt noch ein anderes Problem: Wo es in Gewerbegebieten schon Glasfaser gibt, beantragt trotzdem nicht jeder Unternehmer einen Netzanschluss. Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer will den Ursachen auf den Grund gehen.