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Trier/Köln
Bistum kämpft gegen Missbrauch – und hat ein neues Problem

Das Thema Missbrauch beschäftigt die katholische Kirche seit langem. Hier spielt  der Trierer Bischof Stephan Ackermann (rechts) ein neues Brettspiel, mit dem die Prävention verstärkt werden soll. Gleichzeitig liegt ihm ein neuer Fall vor, mit dem er sich befassen muss.
Das Thema Missbrauch beschäftigt die katholische Kirche seit langem. Hier spielt  der Trierer Bischof Stephan Ackermann (rechts) ein neues Brettspiel, mit dem die Prävention verstärkt werden soll. Gleichzeitig liegt ihm ein neuer Fall vor, mit dem er sich befassen muss. FOTO: Katja Bernardy
Trier/Köln. Ein Ruhestandspriester hat trotz Verbots jahrelang mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Von Rolf Seydewitz

Ein neuer Missbrauchsskandal erschüttert die katholische Kirche im Bistum Trier. Ein seit acht Jahren im Bistum lebender Ruhestandsgeistlicher aus dem Erzbistum Köln hatte offenbar jahrelang Kontakt zu Kindern und Jugendlichen, obwohl ihm dies untersagt war. Schlimmer noch: Obwohl es seit den 70er Jahren Missbrauchsvorwürfe gegen den Priester gibt, die der Mann allerdings bestreitet, war das Trierer Generalvikariat nicht darüber informiert. Das gaben am Dienstag zeitgleich das Erzbistum Köln und das Trierer Generalvikariat bekannt.

In welchen Pfarreiengemeinschaften des Bistums Trier der katholische Priester eingesetzt war, wurde offiziell nicht bekanntgegeben. In der schriftlichen Stellungnahme hieß es lediglich, der Ruhestandsgeistliche habe in der Vergangenheit „immer wieder Messvertretungen im Bistum Trier übernommen“. Bischofssprecherin Judith Rupp und ihr Kölner Kollege Michael Kasiske wollten sich auf Anfrage unserer Zeitung aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht näher zu den Einsatzorten äußern.

Die für die katholische Kirche äußerst peinliche Angelegenheit ist offenbar nur durch einen Zufall aufgefallen. Nach Angaben des Bistums Trier gab es Pläne, dem Geistlichen eine Pfarrverwaltung zu übertragen. Daraufhin habe es einen Kontakt zum Erzbistum Köln gegeben. Als man dort in die Personalakten des Priesters geschaut habe, sei aufgefallen, dass es „aufgrund von Vorfällen aus den 1970er Jahren“ Auflagen für den Geistlichen gebe. Weitere Recherchen hätten dann ergeben, dass sich der Priester vermutlich nicht an die Auflage gehalten habe, keine Angebote für Kinder und Jugendliche zu machen.

Auf Anfrage unserer Zeitung formulierte es Bischofssprecherin Judith Rupp sogar noch deutlicher: Im Rahmen des Einsatzes in der Seelsorge komme es unweigerlich zu Kontakten auch mit Kindern und Jugendlichen, so die Sprecherin. Nach ihren Angaben hat es beim Umzug des Priesters aus dem Erzbistum Köln keine Information über die Vorwürfe gegen den Geistlichen und damit verbundene Auflagen gegeben. „In diesem Fall hätte das Bistum die Vertretungsdienste nicht zugelassen“, sagt Sprecherin Judith Rupp. Für dieses Versäumnis habe sich Erzbischof Rainer Maria Woelki beim Trierer Bischof Stephan Ackermann entschuldigt.

Laut Bistum wurde die Pfarreiengemeinschaft, in der der Priester zuletzt eingesetzt war, am Montag über die Vorwürfe informiert. Der Trierer Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg habe dem Geistlichen die seelsorgerische Tätigkeit untersagt, Kardinal Woelki verhängte nach Angaben seines Sprechers Michael Kasiske ein Zelebrationsverbot, heißt: Der katholische Priester darf keine Gottesdienste mehr feiern und keine Sakramente mehr spenden. Zur Überprüfung werde der Fall noch nach Rom gemeldet, hieß es.

Vor acht Jahren war die katholische Kirche vom Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen erschüttert worden. Seitdem haben sich nach offiziellen Angaben beim Bistum Trier insgesamt 135 Missbrauchsopfer gemeldet. Beschuldigt wurden insgesamt 75 Geistliche, 42 verstorbene und 33 noch lebende Priester. Bislang hat das Bistum Trier 453 500 Euro an Opfer gezahlt. Das Geld stammt nicht aus der Kirchensteuer, sondern aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs mit der bundesweiten Aufarbeitung betraut.

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