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Brand in Trierer Flüchtlingsheim endet glimpflich - Ministerin bessert bei der Hygiene nach

Nach dem Brand in der Aufnahmeeinrichtung fuer Asylbegehrende (AFA): . TV-Foto: Friedemann Vetter
Nach dem Brand in der Aufnahmeeinrichtung fuer Asylbegehrende (AFA): . TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Gerade noch rechtzeitig hat ein Wachmann am Donnerstagmorgen, 30. Oktober, den Brand im Flüchtlingsheim in Trier-Nord entdeckt. Brandschutzübungen gibt es in dem Heim, in dem bis zu 900 Menschen auf engstem Raum zusammenleben, nämlich nicht. In Sachen Hygiene kündigte Integrationsministerin Irene Alt gestern Verbesserungen an. Von unserer Redakteurin Christiane Wolff


Aufgeregte Schreie und Rufen reißen Mohammad Omar am Donnerstagmorgen aus dem Schlaf. Als er nach draußen schaut, sieht er aus einem Fenster des gegenüberliegenden Wohnheims Flammen lodern. "Aber eine Minute später waren auch schon Feuerwehr, Polizei und Ärzte da, es ging alles sehr, sehr schnell", berichtet der 30-jährige Syrer. Einer der sechs Wachmänner, die das Gelände des Asylbewerberheims nachts kontrollieren, hatte das Feuer gegen 6.15 Uhr entdeckt. In einem unbewohnten Raum im ersten Stock war eine Matratze in Brand geraten - durch eine Zigarette, wie ein Bewohner am Donnerstag zugab. Das Wachpersonal informierte sofort die Feuerwehr und versuchte, die Flammen selbst zu löschen. Die 68 Bewohner des Hauses wurden evakuiert. Eine armenische Familie musste von der Feuerwehr per Drehleiter aus dem zweiten Stock gerettet werden. Die zehn und 14 Jahre alten Söhne, ihre Eltern und einer der Wachmänner wurden ins Krankenhaus gebracht, sie hatten giftigen Rauch eingeatmet. Drei weitere Bewohner, ein zweiter Wachmann und ein Polizist mussten wegen leichter Rauchgasvergiftungen ebenfalls behandelt werden.

Brand rasch gelöscht

Die Feuerwehr hatte den Brand rasch gelöscht. Am Nachmittag konnten die Flüchtlinge wieder zurück in ihre Zimmer. Lediglich zwei Räume blieben wegen Feuerschäden gesperrt.
Schon einen Tag zuvor war das Flüchtlingsheim in die Schlagzeilen geraten. Die Vorwürfe, die Wohnräume seien unzureichend gereinigt, es gebe Kakerlaken und anderes Ungeziefer und die Müllberge türmten sich, hatte die Mainzer Integrationsministerin Irene Alt vor dem Brand zurückgewiesen. Nachdem das Trierer Gesundheitsamt angeregt hat, die Räume häufiger zu reinigen und den Müll öfter zu entsorgen, kündigte Alt gestern nach einem Rundgang im Flüchtlingsheim Verbesserungen an: "Wir reinigen die Sanitäranlagen bereits jetzt dreimal täglich, und auch der Müll wird dreimal täglich abgeholt. Wenn das nicht ausreicht, machen wir das alles selbstverständlich auch viermal pro Tag."

Die jungen Flüchtlinge sehen die Situation gelassen: "Ja, die Zimmer und auch die Küchen sind dreckig - aber wir sind froh, hier sein zu können", sagt ein 21-Jähriger, der vor dem Krieg in Syrien geflohen ist.
Ein bereits vor einigen Wochen heimlich im Heim gedrehtes Video, das dem TV zugespielt wurde, zeigt, wie ein Familienvater bei einem Heimmitarbeiter um ein anderes Zimmer bittet. Seine Frau trägt ein Baby auf dem Arm, der etwa vierjährige Sohn steht daneben. "Wir können unsere Kinder nicht auf dem Boden spielen lassen und nicht mehr ruhig schlafen", klagt der Vater in gebrochenem Deutsch. "Ich kann ihnen gegen die Kakerlaken nur ein Spray geben - ein anderes Zimmer geht nicht", weist der Heimmitarbeiter die Familie ab. Dass es Ungeziefer gibt, bestätigt Ministerin Alt. "Das ist in dieser Situation leider nicht gänzlich zu vermeiden", sagt sie. Täglich kommen Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern nach wochenlanger Flucht in Trier an. "Aber sobald uns gemeldet wird, dass es Ungeziefer gibt, rufen wir den Kammerjäger", verspricht die Ministerin.

Keine Brandschutzübungen

Beim Brandschutz sind Nachbesserungen schwieriger. "Brandschutzübungen wären bei der großen Fluktuation bei unseren Bewohnern ein enormer Aufwand, der zurzeit leider nicht leistbar ist", sagt Frank-Peter Wagner, stellvertretender Leiter der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Die Mitarbeiter würden dagegen regelmäßig geschult, und Feuerlöscher gäbe es mehr als die Vorschrift verlangt.

Nach dem Brand in der Aufnahmeeinrichtung fuer Asylbegehrende (AFA): ADD Praesidentin Dagmar Barzen, Ministerin Irene Alt, Polizeipraesident Lothar Schoemann. TV-Foto: Friedemann Vetter
Nach dem Brand in der Aufnahmeeinrichtung fuer Asylbegehrende (AFA): ADD Praesidentin Dagmar Barzen, Ministerin Irene Alt, Polizeipraesident Lothar Schoemann. TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter