| 20:34 Uhr

"Da menschelt es, dass es kracht"

Der Trierer AfD-Delegierte Michael Frisch beschwert sich über seine verschwundenen Stimmzettel. TV-Foto: Klaus Kimmling
Der Trierer AfD-Delegierte Michael Frisch beschwert sich über seine verschwundenen Stimmzettel. TV-Foto: Klaus Kimmling
Zeltingen-Rachtig. Nach einer 14-stündigen Marathonsitzung endete am späten Sonntagabend der erste ordentliche Landesparteitag der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD). Das Treffen verlief friedlicher, als von vielen im Vorfeld befürchtet. Dennoch gab es den ein oder anderen Aussetzer. Rolf Seydewitz

Zeltingen-Rachtig. Kloster Machern?! Warum nur in Dreigottesnamen kamen die Verantwortlichen der rheinland-pfälzischen AfD auf die Idee, ihren ersten richtigen Parteitag (TV vom Montag) ausgerechnet in ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster an der Mosel zu legen? Etwas abseits vom Schuss, sodass die meisten der rund 250 Parteimitglieder und Gäste am Sonntagmorgen eine zíemlich weite Anfahrt hatten. "Die Location sollte deeskalierend wirken", sagt AfD-Veranstaltungsorganisatorin Beatrix Klingel in bestem Veranstaltungsorganisatorendeutsch. Klingel ist am Tag danach nach eigenen Angaben auch ein wenig stolz, dass ihre Kalkulation aufgegangen sei. "Ist doch alles ganz gut gelaufen, oder…?"
Hätte man Michael Frisch diese Frage am Sonntagmittag gestellt, wäre dem Trie rer wohl die Zornesröte ins Gesicht gestiegen. Dabei war Frisch auch so schon aufgebracht, zeterte erst vor und später auch in dem Barocksaal. Schuld daran war der Block mit Stimmzetteln, den jeder Delegierte zu Beginn des Parteitags ausgehändigt bekam.
"Passen Sie darauf auf", ermahnte Albrecht Glaser von der Versammlungsleitung, "herumliegende Stimmzettel werden eingesammelt und nicht mehr herausgegeben."
Als Michael Frisch nach einer kurzen Pause zurück an seinen Platz kam, war der Stimmzettelblock weg und Frisch stinksauer. Der in Trier als vehementer Abtreibungsgegner bekannte Pädagoge drohte sogar mit juristischen Schritten, weil sein Block aus seinem Ordner herausgenommen worden sei.
Am Tag danach ist der Ärger verraucht. "Es hat sich alles geklärt", sagt Frisch, hörbar um verbale Deeskalation bemüht. Von juristischen Schritten ist keine Rede mehr. "Ich war sauer, weil meine Kritik zunächst ignoriert wurde", sagt er. Später habe man ihm auch gestattet, seine Stimme abzugeben. "Geburtswehen einer neuen Partei", fasst Frisch das Geschehen zusammen, "da menschelt es schon mal, dass es kracht."
Gekracht hat es in der Versammlung auch zwischen AfD-Beisitzer Aslan Basibüyük und einem SWR-Fernsehjournalisten, dem vorübergehend der Presseausweis abgenommen wurde. "Um die Personalien zu notieren", rechtfertigte sich im Nachhinein der übernervöse Parteifunktionär, der zuletzt auch wegen seines Zoffs mit dem Fußballverband Rheinland für Schlagzeilen gesorgt hat. Ein Vorwurf gegen den Ex-Schiri: unkameradschaftliches Verhalten. Der SWR überlegt sich nach dem Foul beim AfD-Parteitag, ob und wie der Sender darauf reagieren will.Keine Seife auf der Toilette


Wenn eine Partei jung ist, wird noch über viele Dinge ausführlich debattiert - über wichtige Themen und über weniger wichtige. Ein Beispiel vom AfD-Landesparteitag: Wie lange soll die Redezeit der Bewerber für das Sprecheramt sein? Am Ende stand ein halbes Dutzend Vorschläge zur Wahl. Weil die Zeit schon etwas fortgeschritten war, hielt sich Begeisterung über den Vorschlag "keine Redezeitbeschränkung" in Grenzen. Am Ende einigten sich die Delegierten auf drei Minuten Zeit für die persönliche Vorstellung und zwei Minuten Zeit für die Beantwortung von Fragen.
Ein salomonischer Kompromiss. Und dennoch: Als die Wahl des neuen Landesvorsitzenden vorbei war, lief der Parteitag schon stolze sieben Stunden. Gerade einmal Halbzeit, wie sich später herausstellte. Der Parteitag endete nach 14 Stunden kurz vor Mitternacht.
Gemessen am Verlauf des ersten richtigen Parteitags war die Gründungsversammlung Anfang April in Mainz ein geradezu harmonisches Treffen gewesen. "Da war das einzige Problem, dass auf der Toilette keine Seife war", erinnerte sich der ehemalige AfD-Landesvorsitzende Klaus Müller.Extra

Der neue Landesvorstand der Alternative für Deutschland: Vorsitzender Uwe Zimmermann (Saarburg), Vize Christian Schreckenberger (Mainz) und Beatrix Klingel (Kirchheim), Beisitzer Barbara Schneider (Bad Kreuznach), Oliver Sieh (Ludwigshafen) und Aslan Basibüyük (Dachsenhausen), Schatzmeister Arnulf Bonkat (Limburgerhof), Schriftführer Joachim Paul (Koblenz). sey