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Das Supernetz und die Energiewende - Wie die Eifel mithilfe einer neuen Leitungstrasse Modellregion für Bioenergie werden soll

Trier. Was wird aus den vielen Biogasanlagen der Region, wenn die Förderung ausläuft? Dies ist nur eine von vielen Fragen, die die am Montag gegründete "Bioenergie-Initiative 2.0" beantworten soll. Eine zentrale Rolle wird dabei das neue Eifeler Versorgungsnetz spielen. Katharina Hammermann

Die Begriffe sind so abstrakt, dass man sich darunter zunächst nichts vorstellen kann: "Regionales Verbundsystem Westeifel", "Bioenergieinitiative 2.0". Dabei wird das, was dahinter steckt, die Energieversorgung der Region Trier grundlegend verändern, sehr viel Geld sparen und - davon gehen jedenfalls die rheinland-pfälzischen Ministerinnen Ulrike Höfken und Eveline Lemke (beide Grüne) aus - bundesweit als Vorbild dienen. Sie sind am Montag zu zwei Terminen nach Trier gekommen, die die Vorreiterrolle der Region bei der Energiewende widerspiegeln.

Um 9.15 Uhr bei den Stadtwerken Trier: Ulrich Kleemann, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion, überreicht den Machern des Verbundsystems Westeifel einen Stapel Papier. Nach rekordverdächtigen acht Wochen liegt das Ergebnis der raumordnerischen Prüfung vor. Es fällt positiv aus. Denn weder Kommunen noch Umweltverbände hatten Einwände, gegen das 140 Millionen Euro teure "Supernetz", das unter Federführung der Kommunalen Netze Eifel (KNE) entsteht. Geplant ist eine rund 80 Kilometer lange Leitungstrasse für Trinkwasser, Strom, Erdgas, Biogas und schnelles Internet. Sie soll zwischen Trier und der nördlichen Landesgrenze bislang getrennte Versorgungsnetze verbinden sowie Kosten und Energie sparen. "Der erste Meilenstein ist geschafft", sagt Höfken, die von einem Leuchtturmprojekt spricht. Wird die Trasse doch auch zur Schlagader der regionalen Energiewende. 2009 hatten der Eifelkreis Bitburg-Prüm und die Stadt Trier mit der Gründung der KNE den Grundstein für die Zusammenarbeit gelegt. "Dass der Bescheid kommt, solange ich noch hier bin, tut wirklich gut", sagt der scheidende Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen, der wenig später in der Trierer Handwerkskammer über den finanziellen Reiz der Energiewende spricht: Eine halbe Milliarde Euro verlasse die Region derzeit jährlich, weil Energie von außerhalb eingekauft wird.

Dazu beitragen, dass sich dies ändert, soll die Gründung der Bioenergieinitiative 2.0: eine bei der Energieagentur Trier angesiedelte Plattform für alle, die Bioenergie herstellen oder nutzen. Mit im Boot sind Experten aus Land- und Forstwirtschaft, Forschung, Umweltverbände, Banken und Stadtwerke. Ziel der Initiative ist es, bestehende Anlagen zu sichern, innovative Projekte zu unterstützen und die Entwicklung zu koordinieren. Eine riesige Rolle wird dabei die Biogasleitung des neuen Supernetzes spielen. Wenn die EEG-Förderung ausläuft, sollen Biogasanlagen gewinnbringend weiterarbeiten können, indem sie in das KNE-Netz einspeisen. Das Gas wird dann nicht mehr an jeder einzelnen Anlage zu Strom, sondern in Rittersdorf zentral zu Erdgas aufbereitet. Die Vertragsverhandlungen für das bundesweit einzigartige Projekt laufen bereits.

Anlagenbetreiber, die von Mais auf andere Rohstoffe umstellen wollen, sollen bei der neuen Initiative ebenso Rat finden, wie Dörfer, die ihre Straße aufreißen und überlegen, ein Nahwärmenetz zu bauen. Die Ziele des neuen Zusammenschlusses: das Klima schonen, Arbeitsplätze schaffen, Geld in der Region halten.Extra: Modellregion

Die Eifel ist in Rheinland-Pfalz schon jetzt ein Vorreiter der Bioenergieerzeugung: Laut Umweltministerium gibt es dort 96 Biomasseanlagen und geschätzte 75.000 private Holzheizungen. 60.000 Haushalte beziehen in der Eifel Strom und 40.000 Haushalte Wärme aus Bioenergie. Die Eifel soll nach Wunsch der Landesregierung mit den aktuellen Projekten Modellregion für eine zukunftsfähige Erzeugung von Bioenergie werden. kah