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Der letzte Freier war Simis Mörder

Die Kölner Prostituierte Simone Dewenter wurde am 1. Januar 2003 tot bei Schweich aufgefunden.
Die Kölner Prostituierte Simone Dewenter wurde am 1. Januar 2003 tot bei Schweich aufgefunden. FOTO: Polizei Trier
Trier. Vor 14 Jahren wird die Kölner Prostituierte Simone Dewenter ermordet. Ihre Leiche wird bei Schweich gefunden. Gibt es noch eine Chance, den Täter zu überführen? Rolf Seydewitz

Es ist Sonntagabend kurz vor halb zehn, als Simone Dewenter das letzte Mal lebend gesehen wird. Eine Freundin beobachtet, wie die 30-Jährige im Bonner Stadtteil Endenich in einen weißen Lieferwagen steigt. Ist der Fahrer des Lieferwagens auch Simis Mörder?

Die Freundin wartet an diesem Dezemberabend vergeblich auf Simones Rückkehr. Nach Mitternacht geht sie zur Polizei und meldet Simi als vermisst. "Ich hatte direkt so ein komisches Gefühl", sagt sie später, "sie war immer pünktlich."

Die beiden Freundinnen sind am Nachmittag des 29. Dezember 2002 gemeinsam auf den Straßenstrich in Bonn-Endenich gefahren, wo sie "anschaffen" gehen. Die gelernte Hauswirtschafterin Simone Dewenter lebt allein in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im Kölner Stadtteil Kalk. Viele in ihrem Bekanntenkreis wissen nicht, dass die von Geburt an fast gehörlose Frau nebenbei als Prostituierte jobbt. Weil Simone keinen Führerschein hat, nimmt die Freundin sie regelmäßig mit zur "Arbeit" auf den Bonner Straßenstrich; auch am Abend ihres Verschwindens.

Simone Dewenters Leiche wird zweieinhalb Tage später gefunden - 150 Kilometer entfernt. Auf einem Parkplatz an der Landesstraße L.141 zwischen Schweich und Hetzerath macht ein Autofahrer, der mal kurz austreten möchte, die grausige Entdeckung. Der fast unbekleidete Leichnam liegt ein paar Meter abseits des Parkplatzes Azert hinter Büschen an einem Bachlauf. Es ist der 1. Januar 2003 um kurz nach 14 Uhr.

Wann Simone Dewenter getötet wurde und wie lange ihr Leichnam dort schon gelegen hat, bevor er entdeckt wurde, ist wegen der Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nur schwer zu ermitteln. "Der Todeszeitpunkt ist ungewiss, und es ist auch noch unklar, wo Simone getötet worden ist", sagt Dirk Finkler. Der 49-jährige Trierer Kriminalhauptkommissar ist für den Fall zuständig. Das Verbrechen an Simone Dewenter ist einer von knapp einem Dutzend ungelöster Mordfälle im Zuständigkeitsbereich des Trierer Polizeipräsidiums aus den vergangenen Jahrzehnten. "Jeder Kollege hat ein, zwei Altfälle, um die er sich regelmäßig kümmert", sagt Kommissariatsleiter Christian Soulier.

Immer wieder werden dabei Verbrechen erst nach vielen Jahren geklärt, wie der Fall Lolita Brieger zeigt. Drei Jahrzehnte nach dem Verschwinden der 18-jährigen Eifelerin wurde 2011 ihre Leiche entdeckt und der Ex-Freund als Täter überführt. Nur weil die Tat als Totschlag gewertet wurde, der nach 20 Jahren verjährt, konnte der Mann nicht verurteilt werden.

Das Sexualverbrechen an Simone Dewenter liegt nicht einmal halb so lange zurück. Die Trierer Mordermittler gehen davon aus, dass die 30-jährige Prostituierte womöglich erst auf dem zwischen Schweich und Hetzerath gelegenen Parkplatz getötet worden ist. Wie sie ums Leben kam, will der Chef der Mordkommission nicht verraten. "Das ist Täterwissen", sagt Christian Soulier.

Über 250 Spuren werden nach der brutalen Tat gesichert, darunter ist auch der genetische Fingerabdruck des mutmaßlichen Mörders. Ein kurz nach dem Verbrechen festgenommener Tatverdächtiger wird wieder auf freien Fuß gesetzt, weil seine DNA nicht mit der am Tatort gefundenen übereinstimmt.

Die Aktenordner über den Fall Simone Dewenter füllen in den Räumen der Trierer Mordkommission einen ganzen Schrank. "Der Fall ist bei uns präsent", sagt Christian Soulier, "die Akten verstauben nicht im Keller."

Der Kommissariatsleiter und sein Vize Dirk Finkler hoffen weiter, dass sie das brutale Verbrechen an der fast gehörlosen Kölner Prostituierten eines Tages aufklären können. Sie vermuten, dass der Täter einen Bezug in den Raum Trier/Köln hatte oder immer noch hat. "Wer war an dem Montag vor Silvester womöglich beruflich unterwegs, obwohl der Tag sich als Brückentag angeboten hätte?", fragen sich die Mordermittler.

Ob der Fahrer des weißen Lieferwagens, in den Simi an jenem Dezemberabend stieg, auch ihr Mörder war, ist für die Trierer Kommissare dabei keineswegs ausgemacht. "Vielleicht hatte sie danach ja auch noch einen anderen Freier."5000 EURO BELOHNUNG FÜR HINWEISE

Die Kriminalpolizei hat für die Fahndung nach dem Mörder von Simone Dewenter ein Hinweistelefon (0651/9779-2480) geschaltet. Hinweise können auch per E-Mail unter kdtrier.hinweisaufnahme@polizei.rlp.de gegeben werden. Führen sie zur Aufklärung des Verbrechens, gibt es eine Belohnung von 5000 Euro. Die Ermittler interessieren sich besonders für die Frage, wer zwischen dem 29. Dezember 2002 und dem 1. Januar 2003 - womöglich mit einem weißen Lieferwagen - beruflich im Raum Trier-Köln unterwegs war.NEUE SERIE - SO GEHT'S WEITER

Der Mord an der Kölner Prostituierten Simone Dewenter ist der erste Fall in der neuen Volksfreund-Serie über ungeklärte Verbrechen in der Region Trier. Im nächsten Teil geht es um einen noch länger zurückliegenden Mord. Zu jeder Folge sind im Internet unter volksfreund.de/morde weitere Informationen abrufbar. Dort gibt es zum Gewaltverbrechen an Simone Dewenter auch ein längeres Video-Interview mit dem Vizechef der Trierer Mordkommission, Dirk Finkler.

Mörder gesucht - Neue Serie im Trierischen Volksfreund

Die Kölner Prostituierte Simone Dewenter wurde am 1. Januar 2003 tot bei Schweich aufgefunden.
Die Kölner Prostituierte Simone Dewenter wurde am 1. Januar 2003 tot bei Schweich aufgefunden. FOTO: Polizei Trier
Auf diesem Parkplatz "Azert" an der L 147 zwischen Schweich und Hetzerath wurde am 1. Januar 2003 die Leiche von Simone Dewenter gefunden.
Auf diesem Parkplatz "Azert" an der L 147 zwischen Schweich und Hetzerath wurde am 1. Januar 2003 die Leiche von Simone Dewenter gefunden. FOTO: Polizei Trier
Auf diesem Parkplatz "Azert" an der L 147 zwischen Schweich und Hetzerath wurde am 1. Januar 2003 die Leiche von Simone Dewenter gefunden.
Auf diesem Parkplatz "Azert" an der L 147 zwischen Schweich und Hetzerath wurde am 1. Januar 2003 die Leiche von Simone Dewenter gefunden. FOTO: Polizei Trier
Der Marker zeigt den Parkplatz "Azert" an der L 147 zwischen Schweich und Hetzerath, an dem am 1. Januar 2003 die Leiche von Simone Dewenter gefunden wurde.
Der Marker zeigt den Parkplatz "Azert" an der L 147 zwischen Schweich und Hetzerath, an dem am 1. Januar 2003 die Leiche von Simone Dewenter gefunden wurde. FOTO: Screenshot OpenStreetmap
An dieser Stelle in Bonn-Endenich ging die Prostituierte ihrer Arbeit nach. Hier wurde sie auch zuletzt gesehen.
An dieser Stelle in Bonn-Endenich ging die Prostituierte ihrer Arbeit nach. Hier wurde sie auch zuletzt gesehen. FOTO: Polizei Trier
An dieser Stelle in Bonn-Endenich ging die Prostituierte ihrer Arbeit nach. Es ist Sonntagabend kurz vor halb zehn, als Simone Dewenter hier das letzte Mal lebend gesehen wird. Eine Freundin beobachtet, wie die 30-Jährige in einen weißen Lieferwagen steigt.
An dieser Stelle in Bonn-Endenich ging die Prostituierte ihrer Arbeit nach. Es ist Sonntagabend kurz vor halb zehn, als Simone Dewenter hier das letzte Mal lebend gesehen wird. Eine Freundin beobachtet, wie die 30-Jährige in einen weißen Lieferwagen steigt. FOTO: Polizei Trier
Diesen Mantel trug Simone Dewenter am Abend ihres Verschwindens, seitdem fehlt von dem Mantel jede Spur.
Diesen Mantel trug Simone Dewenter am Abend ihres Verschwindens, seitdem fehlt von dem Mantel jede Spur. FOTO: Polizei Trier
Diesen Mantel trug Simone Dewenter am Abend ihres Verschwindens, seitdem fehlt von dem Mantel jede Spur.
Diesen Mantel trug Simone Dewenter am Abend ihres Verschwindens, seitdem fehlt von dem Mantel jede Spur. FOTO: Polizei Trier