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Katholische Kirche
Kuhjunge, Kindersoldat, Weihbischof

Der emeritierte Trierer Weihbischof Alfred Kleinermeilert  darf am Wochenende ein dreifaches Jubiläum begehen.
Der emeritierte Trierer Weihbischof Alfred Kleinermeilert darf am Wochenende ein dreifaches Jubiläum begehen. FOTO: Ernst Mettlach / Bistum Trier;Ernst Mettlach
Trier. Alfred Kleinermeilert feiert an diesem Sonntag ein außergewöhnliches Dreifachjubiläum. Von Rolf Seydewitz

Alfred Kleinermeilert gehört zu den Stillen unter Deutschlands Bischöfen. Das war schon zu den Zeiten so, als der vor 15 Jahren emeritierte Trierer Weihbischof noch in Amt und Würden war. Am kommenden Sonntag feiert Deutschlands nach dem Weihejahr ältester Bischof ein ungewöhnliches Mehrfachjubiläum: Alfred Kleinermeilert wurde in diesem Jahr 90, er ist seit 65 Jahren Priester und begeht zudem sein 50. Bischofsjubiläum.

Der ehemalige Münchner Kardinal Friedrich Wetter ist zwar etwas mehr als einen Monat älter als Kleinermeilert. Dafür wurde der Trierer Priester 18 Tage vor Wetter zum Bischof geweiht – übrigens in der Liebfrauenkirche, weil der Dom damals wegen Renovierungsarbeiten gesperrt war.  Kleinermeilert und Wetter kennen sich gut: Die beiden katholischen Geistlichen studierten gemeinsam in Rom Theologie und wurden dort auch 1953 gemeinsam zum Priester geweiht.

Zum Pontifikalamt im Dom (Sonntag,14.30 Uhr) wird unter anderem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, erwartet. Der Münchner Kardinal war fast auf den Tag genau ein Jahr Bischof von Trier, als Kleinermeilert am 30. März 2003 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Kleinermeilert sei ein „Mann von großer Liebenswürdigkeit und Demut“, lobte Marx seinerzeit den scheidenden Weihbischof.

 Auch Kleinermeilerts ehemalige Trierer Mitbrüder Georg Bätzing (Bischof von Limburg), Helmut Dieser (Bischof von Aachen) und Felix Genn (Bischof von Münster) haben für den Gottesdienst zugesagt.

Dass er einmal Priester werden würde, stand für den in dem kleinen Dorf Müsch im Kreis Ahrweiler geborenen Kleinermeilert früh fest. „Mit 14 Jahren habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht“, sagte er selbst einmal in einem Interview; „beim Kühehüten in einem abgelegenen Tal“, berichtete 2013 Pfarrer Heinrich Ant. Doch zunächst kam der Zweite Weltkrieg dazwischen. Im Alter von 15 Jahren wurde Kleinermeilert zwangsweise Flakhelfer, kam dann zur Luftwaffe, eher für elf Monate in französische Kriegsgefangenschaft geriet. „Ich war Kindersoldat“, sagte er einmal rückblickend. „Danach durfte ich aufs Gymnasium, das kam mir wie eine Befreiung vor.“

Als er 1947 in Ahrweiler das Abi­tur in der Tasche hatte, stand sein Entschluss, Priester zu werden, endgültig fest. Kleinermeilert studierte erst in Trier, dann in Rom. Nach der Priesterweihe („Einer der schönsten Augenblicke meines Lebens“) war er zunächst Kaplan in Saarbrücken und Religionslehrer an einem saarländischen Gymnasium. Vor seiner Bischofsweihe war Kleinermeilert Direktor des Bischöflichen Konvikts in Linz am Rhein. Seine Promotion 1963 handelte vom Verhältnis Kirche und Staat.

Als Weihbischof war Kleinermeilert für die damaligen Regionen Trier und Westeifel zuständig. Sein besonderes Augenmerk galt auch als Mitglied der Bischofskonferenz der Ökumene. „Als ich Kaplan war, hatte man keinen Kontakt zu den Evangelischen“, erinnerte sich Kleinermeilert einmal, heutzutage sei das gute Tradition: „Ich bin glücklich, dass das so gekommen ist.“

Auf seinen Geburtsort war Alfred Kleinermeilert immer stolz. Der Bischofsstab schenkten ihm einst Gläubige seiner Heimat, auf dem Portal der Müscher Kirche ist „ihr“ Weihbischof Alfred Kleinermeilert sogar abgebildet. Dass er den Dialekt immer noch beherrscht, stellte Alfred Kleinermeilert bei einem Gottesdienst vor fünf Jahren unter Beweis: „Et es schün, noch ehs hei ze sein un ze feiere“, begrüßte der Geistliche damals die Gläubigen.

Alfred Kleinermeilert wohnt weiter in Sichtweite des Trierer Doms, wo er auch noch hin und wieder anzutreffen ist. Interviewanfragen im Vorfeld seines ungewöhnlichen Jubiläums hat der von guten Bekannten als zurückhaltend, unaufgeregt und bescheiden beschriebene 90-Jährige abgelehnt. Dazu passt auch, dass Alfred Kleinermeilert im Einladungsschreiben darum gebeten hat, auf Jubiläumsgeschenke zu verzichten und statt dessen für die Nachwuchschöre der Dommusik zu spenden.