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Dieser Fleischer fand 868 Gehaltszettel im Biomüll

Fleischer Albert Sauer fand über 800 Gehaltszettel in einem Karton auf seiner Biomülltonne
Fleischer Albert Sauer fand über 800 Gehaltszettel in einem Karton auf seiner Biomülltonne FOTO: Rhein-Zeitung
Neuwied/Koblenz. Die Oberfinanzdirektion in Koblenz gibt eine „höchst ärgerliche Panne“ zu, die Polizei vermutet Datendiebstahl: Mehr als 800 Gehaltsschreiben der zentralen Besoldungsstelle, darunter an Professoren, Ärzte, Politiker und Anwälte gerichtete Briefe, treffen nicht bei den Empfängern ein. Stattdessen findet ein Mann in Neuwied einen seltsamen Karton bei seinem Müll. Oliver Haustein-Teßmer

Die Oberfinanzdirektion (OFD) in Koblenz und die Kriminalpolizei in Neuwied ermitteln gegen noch unbekannte Täter: Zahlreiche Gehaltsschreiben der Zentralen Besoldungs- und Versorgungsstelle der OFD sind nicht bei den Empfängern angekommen, sondern - in einem aufgerissenen Pappkarton - vor der Haustür eines Fleischers in Neuwied aufgetaucht. Es handelt sich um 868 Briefe, die persönliche Angaben wie Geburtsdatum, Tarifgruppe, Familienstand, Kinder, Dienstzeit, Bankverbindung und Angaben zum Weihnachtsgeld enthalten. Laut Rhein-Zeitung handelt es sich um Unterlagen für die Uni Mainz.

Kurier transportierte die Briefe

Der Karton mit den Briefen sei zunächst der Polizei in Frankfurt übergeben worden, teilte Wiebke Girolstein, Sprecherin der OFD, am Freitag mit. Mittlerweile sind die Gehaltszettel bei der Kriminalpolizei in Neuwied eingetroffen. Der Umweg erklärt sich so: Der 59-jährige Fleischer Albert Sauer aus Neuwied fand den Karton auf seiner Bio-Mülltonne - und rief erst einmal die Bild-Zeitung an.

Das Online-Portal bild.de berichtet über Details: Die Briefe seien an Professoren, Ärzte, Politiker und Anwälte gerichtet. Laut OFD-Sprecherin befand sich die Kiste ursprünglich auf dem Weg zu einer Mainzer Dienststelle. Die Briefe seien im Rechenzentrum der OFD in Koblenz gedruckt und einem Dienstleister übergeben worden. Das Unternehmen ist seit Jahren mit dem Transport der Gehaltszettel betraut, bisher "beanstandungslos", sagt die Behördensprecherin.

Der Fahrer des Brieftransports ist laut OFD bereits ausfindig gemacht und vernommen worden. "Wir werden alles tun, den Vorgang aufzuklären und für die Zukunft unmöglich zu machen", sagt OFD-Sprecherin Girolstein. Laut Rhein-Zeitung gehen die Behörden davon aus, dass die Post gezielt gestohlen wurde. Die Polizei vermutet, dass ein noch unbekannter Täter den Karton aus dem Kurierfahrzeug entwendet hat - in der Hoffnung, dass darin Wertgegenstände transportiert würden. Dies könnte erklären, warum die Briefe auf der Mülltonne auftauchten und zwei Briefe aufgerissen waren.

Nach Ansicht der Behördensprecherin Girolstein ist die OFD "mit einem blauen Auge" davongekommen: "Diese höchst ärgerliche Panne wird für die Betroffenen wohl keine weiteren Unannehmlichkeiten bringen." Der Landesdatenschutzbeauftragte Edgar Wagner geht nicht davon aus, dass die Behörde sorglos mit Gehaltsdaten umgeht, sagt laut Allgemeiner Zeitung (Mainz) aber: "Das darf nicht passieren."

Die Gehalts- und Versorgungsempfänger sollen jetzt so schnell wie möglich Nachdrucke der Briefe erhalten. Die Originalbriefe gelten als Beweismittel und bleiben zunächst bei der Kripo.